oder
Gedanken eines Arztes über Geld, Demokratie, bedrohliche Nebenwirkungen des Wirtschaftssystems und die Perspektiven der Konflikt- und Kriegsverhütung
1996 Von Helmut Creutz durchgesehene Auflage
Ein Zukunftsmosaik Für Lucas.
Zusammenstellung von Texten und Ideen 1991-1996
Der Autor:
Wilfried Deiß, Jahrgang 1960, ist Arzt für Innere Medizin und seit 1983 engagiert in der Deutschen Sektion der IPPNW Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges. Während der letzten Jahre beschäftigt er sich mit den weltwirtschaftlichen und geldwirtschaftlichen Hintergründen von Naturzerstörung, Armut, Rüstung und Krieg. Seine These: Eine Lösung der globalen Probleme und die Verhütung von Konflikten und Kriegen ist ohne eine demokratische Weiterentwicklung der Wirtschaftsweise nicht möglich. Erforderlich sei ein neuer, demokratischer Umgang mit dem Macht-Mittel Geld.
Hinweis :
Die Texte dokumentieren den zeitlichen Ablauf der Beschäftigung mit einem auch dem Autor zunächst fremden Thema. Sie werden feststellen, daß es kleinere Widersprüche zwischen den Texten gibt, Zeichen der schrittweisen Erarbeitung neuer Erkenntnisse. Die einzelnen Texte wurden bewußt in ihrer ursprünglichen Form belassen. Dem Leser werden die Stadien der Beschäftigung mit dem Thema Geld und Wirtschaft so besser nachvollziehbar.
Habt Ihr denn von all dem nichts gewußt ?
Siegener Erklärung
Machen Sie mit Ihrem Geld, Was Sie wollen
Welchen Sinn macht es ......
Freie Marktwirtschaft ist Krieg mit anderen Mitteln
Im Jahr 2010
Anfragen bei Banken, Sparkassen und Versicherungen
Fragen, Antworten und keine Antworten
Noch Mehr Demokratie Wagen
Weltwirtschaft und Wandel
Wenn es nicht gelingt.......
Vier Bücher: Was fehlt ?
Wenn schon Geld die Welt regiert....
Geld - Motor, Nerv und Tabu
Zins ist.......
Warum Milliardengräber so lebendig sind
Wer Macht Geld zur Waffe ?
Anderes Geld statt Brot für die Welt
Arrbeitskreis: Kann Geld demokratisch kontrolliert werden?
Marionetten ?
"Friedens-Allianz 2000" - Abrüstung des Wirtschaftssystems
Nobelpreis für Frieden und soziale Verantwortung
Institut Geld - Demokratie - Frieden
Neue Konzepte für die Wirtschaft - Aktueller Stand 1996
Literaturliste
Anhang: Saubere Geldanlagen, Aktion Gelddemokratie, Zitat Prof. Kurt Biedenkopf
Sind Sie sicher, daß Sie das nie jemand fragen wird ?
Nicht zum ersten Mal funktionieren Prozesse die kaum einer wollte durch fein zerteilte Verantwortung
Sie sind ein anständiger Mensch bringen Ihr Altpapier zum Container
Sie sparen Ihr hart verdientes Geld Damit es etwas mehr werde, in der Hoffnung, daß die Kinder es auch gut oder gar besser haben
Sie haben sich nie gefragt
Was mit Ihrem Geld geMACHT wird
Sind Sie sicher, daß Sie das nie jemand fragen wird ?
Wir Ärztinnen und Ärzte der Regionalgruppe Siegen der Deutschen Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges IPPNW wollen verhindern, daß unser Geld auf verdecktem Wege über die Finanzwirtschaft zu Krankheit und Tod von Mensch und Natur beiträgt.
Uns ist bewußt geworden, daß bei der üblichen Art des Sparens und Anlegens ein Teil unserer eigenen Ersparnisse in Form von Krediten für Zwecke verwendet wird, die wir keinesfalls mittragen können. Wir akzeptieren nicht mehr, daß unser Geld bei Banken, Sparkassen und Versicherungen in Rüstung, Atomenergieprojekte oder Umweltzerstörung fließt oder zur Vertiefung der weltweiten Kluft zwischen Arm und Reich benutzt wird. Wir wollen demokratisch über unser Geld bestimmen.
Denn welchen Sinn hat es, durch Sparen für die Zukunft und für unsere Kinder vorsorgen zu wollen, und eben dadurch zur Zerstörung der Lebensgrundlagen beizutragen?
Ab sofort werden wir Ärztinnen und Ärzte dort Geld sparen und anlegen, wo der Gesundheit und dem Leben nicht geschadet wird. Zinseinkünfte sind für uns nicht mehr das Hauptkriterium für den Umgang mit Geld.
Wir Wollen Wissen, Was mit unserem Geld geMacht Wird.
Die Zukunft unseres Planeten erfordert ein Neues Bewußtsein im Umgang mit dem Macht-Mittel Geld und die demokratische Weiterentwicklung von Geldwirtschaft und Weltwirtschaft.
Erstunterzeichner: Ärztinnen und Ärzte der Regionalgruppe Siegen der IPPNW
Haben Sie sich schon einmal gefragt, was Ihre Bank mit Ihrem Geld macht ?
Wir von der Siegener Regionalgruppe der IPPNW-Internatinale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges stellen uns diese Frage aus aktuellem Anlaß. Wir engagieren uns seit Jahren gegen Rüstung, Atomenergienutzung und Umweltzerstörung. Besonders erfolgreich war unsere diesjährige Aktion "Kinder aus Tschernobyl". Beim Spendenaufruf ist weit mehr Geld zusammengekommen, als für die Durchführung des Urlaubes von 30 Kindern aus der Region Tschernobyl erforderlich war. Bis der überschüssige Betrag seiner Bestimmung als Hilfe für Kinder aus Tschernobyl zugute kommen kann, ist es bei unserer regionalen Sparkasse in Form von Festgeld angelegt.
Nun stellt sich uns die Frage: Kann es sein, daß dieses Geld als Kredit für Atomenergie, Rüstung und Umweltschädigende Projekte weitergegeben wird, bzw. wer garantiert uns, daß das Geld nicht in solche Projekte fließt ? Eine entsprechende Frage haben wir vor wenigen Tagen schriftlich an die Sparkasse gerichtet. Auf die Antwort sind wir gespannt.
Nun ist dies ein willkommener Anlaß, sich weiterführende Gedanken zu machen. Als Einstieg dazu eine Feststellung und eine Frage: Wir haben in unserem Land eine leidlich funktionierende politische Demokratie, zumindest im Vergleich zu den meisten anderen Staaten. Wie sieht es aber aus mit der demokratischen Kontrolle in jenem Lebensbereich, der uns tagtäglich weit mehr betrifft als die Politik, nämlich in der Wirtschaft ??? Nun gut, Einflußnahme auf den Wirtschaftsprozeß gibt es durch das Kaufverhalten. Aber ist das nicht mehr ein REAGIEREN auf schon abgelaufene Prozesse ? Heutzutage haben Planungen für Großprojekte jahre- bis jahrzehntelange Vorlaufzeiten . Wo ist die Einflußmöglichkeit derer, die letztlich nicht nur die Käufer sind, sondern auch die Betroffenen ?
In diesem Zusammenhang: ich glaube an die tendenziell günstige Wirkung des demokratischen Prinzips. Kurzfristig betrachtet findet man mit einer demokratischen Entscheidung nicht immer und unbedingt die beste Lösung. Man findet aber auf jeden Fall die, hinter der die meisten Betroffenen stehen. Und genau diese Lösung wird sich mittel- und langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit als die Beste erweisen. In dieser Hinsicht hat das Demokratieprinzip den Charakter einer Selbsterfüllenden Prophezeiung.
Schon einmal ist es unter Mithilfe der IPPNW gelungen, einen weltweiten Paradigmenwechsel einzuleiten. Es ist noch keine 10 Jahre her, als Abschreckung und immer mehr Rüstung als Garant für den Weltfrieden galten. Wer damals das Gegenteil behauptete, wurde als illusionärer Spinner oder Kommunist gebrandmarkt. Mittlerweile sind wir im Entwicklungsprozeß der internationalen Beziehungen einen Schritt weiter. Die Welt ist offener und kommunikativer geworden. Und dennoch herrscht wiederum ein Dogma vor: daß nämlich die freie Marktwirtschaft der Königsweg zu Wohlstand und Frieden für alle sei. Es ist an der Zeit, den religionsgleichen Glauben an die segnungsreiche Kraft des freien Marktes zum Gegenstand eines neuerlichen Paradigmenwechsels zu machen. Ich darf an dieser Stelle auf den Artikel "Freie Marktwirtschaft ist Krieg mit anderen Mitteln" im IPPNW-Forum 15/92 rückverweisen, ebenso auf Till Bastians Studie "Städte, Flüchtlinge und Mangel - Wachstumsorientierte Weltwirtschaft und künftige Welt-Kriege" sowie seinen Text "Weltwirtschaft als Massenvernichtungswaffe".
Ich bin der Überzeugung, daß das marktwirtschaftliche System konsequent demokratisch weiterentwickelt werden muß, wenn Verteilungskriege und die globale ökologische Katastrophe vermieden werden werden sollen, vorausgesetzt, es ist nicht schon zu spät.
Für die Demokratisierung der Wirtschaft gibt es sicher eine Reihe von Ideen. Wichtig wäre, einen Hebel zu finden, der einerseits an einer sensiblen Stelle des Systems angreift, an dem sich andererseits jeder Einzelne von vornherein beteiligt fühlt.
Der Schweizer Unternehmer und UN-Berater Stephan Schmidheiny schreibt in seinem Buch KURSWECHSEL (1992): "Kapitalmärkte werden bei der Suche nach Wegen zu einer nachhaltigen Entwicklung eine entscheidende Rolle spielen.......Die Struktur und Funktionsweise der Kapitalmärkte wirken sich wesentlich auf die Verfügbarkeit des Kapitals und die Investionsprozesse aus. Sie beeinflussen die Art und Weise, wei die Manager im Hinblick auf die Kapitalbeschaffung die gegenwärtige Leistung ihres Unternehmens beurteilen und dessen künftiges Potential planen. Die Kapitalmärkte sind möglicherweise einer der wichtigsten Faktoren, die das Verhalten von Unternehmen prägen. Sie nehmen daher eine Schlüsselposition für die Lösung der Zukunftsprobleme unseres Planeten ein."
Wir alle aus der "alten" Friedensbewegung sollten uns von einer Illusion auf jeden Fall verabschieden: ALLEIN mit moralisch-ethischen Argumenten, auch wenn sie noch so gut und wichtig sind, erreichen wir die Mehrzahl der Menschen nicht. Wir sollten den Eigennutz nicht bekämpfen, sondern ihn weiterentwickeln. Stellen Sie sich vor, welch ein Prozeß initiiert werden könnte, wenn sich ganz viele Menschen ganz eigennützig sagen: Ich will wissen, was meine Bank mit meinem Geld macht. Das gibt dann Zinsen UND ein gutes Gewissen und kann die Initialzündung sein für die dynamische Entwicklung einer Wirtschaftsdemokratie.
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sich in der Freizeit für humanitäre Ziele zu engagieren, während jeden Tag das eigene Geld das Gegenteil bewirkt ???????
Die Zukunft der bröckelnden Friedensbewegung kann heißen: Demokratische Kontrolle von Geldwirtschaft und Weltwirtschaft.
Diese Einschätzung wird im Folgenden begründet und gekoppelt mit einem möglichen Projektvorschlag, der eine Initialzündung zu einem solchen Entwicklungsprozeß liefern könnte.
Der Vorschlag ist gewachsen auf einer eigenen Motivationskrise. Mir hat sich die Frage gestellt, wofür ich mich denn eigentlich hauptsächlich in der Friedensbewegung engagiere. Wo ist das große Thema, das in die Zukunft weist ??
Die Friedensbewegung ist als gesellschaftliche Kraft akzeptiert. Immer noch rechnen sich Millionen Menschen ihr zu. Und dennoch fällt die Friedensbewegung in der Öffentlichkeit vorwiegend durch Ausdruckslosigkeit und Schweigen auf. Die Friedensbewegung löst keine Kontroversen mehr aus. Früher wurde man als Kommunist oder Spinner beschimpft. Die Positionen und Argumente von heute -soweit sie überhaupt an die Öffentlichkeit dringen- stoßen nicht mehr auf Ablehnung, denn Frieden und weniger Waffen will ja schließlich jeder. Und das ist es, was mir Sorge bereitet.
Zur Erinnerung: Die Alte Friedensbewegung hatte zwei wesentliche Kennzeichen:
Erstens: Es gab ein Hauptziel, nämlich die Erkenntnis zu vermitteln, daß immer mehr Waffen den Frieden nicht sicherer machen. Das war damals neu, stieß auf erbitterte Kritik. Heute ist diese Erkenntnis allgemein anerkannt. Es hat in dieser Hinsicht ein Paradigmenwechsel stattgefunden.
Zweitens: Die Friedensbewegung vertrat visionäre Vorstellungen. Vor allem, daß die Ost-West-Konfrontation durch einseitige Vorleistungen und durch Kooperation über die ideologischen Grenzen hinweg überwunden werden kann. Damals wurde man als alternativer Illusionist tituliert. Heute ist die Vision längst Realität.
Nun hat sich in nur wenigen Jahren die Weltlage komplett gewandelt. Aus dem Ost-West-Konflikt ist der Nord-Süd-Konflikt geworden. Die damals verfeindeten Weltmächte haben zur Kooperation gefunden. Der Kommunismus existiert nicht mehr. Dennoch ist die Anzahl aktueller und erst recht potentieller Konfliktherde gestiegen. Es gibt immer mehr Atommächte. Die Themen Armut und Umweltverschmutzung rücken zunehmend in den Vordergrund, immer offensichtlicher werden hier die Quellen zukünftiger Kriege. Die Konflikte werden vielfältiger, unberechenbarer, und damit wahrscheinlicher.
Aus einer recht einfachen und überschaubaren Beziehung zwischen Rüstung und Krieg, mit der sich die Alte Friedensbewegung beschäftigte, ist heute ein kompliziertes Netzwerk geworden.
Die globalen Probleme lassen sich darstellen als ein Dreieck ("IPPNW-Dreieck"), dessen Seiten Krieg, Umweltzerstörung und Armut heißen.
Zwischen den drei Bereichen bestehen wechselseitige Beziehungen: Armut führt zu Krieg (siehe Äthiopien) und Umweltzerstörung (siehe Regenwald). Krieg führt zu Armut und Umweltzerstörung (siehe Irak). Umweltzerstörung wird in Zukunft vermehrt zu Armut und Krieg führen (siehe Till Bastian: "Umweltzerstörung als Ursache künftiger Kriege"). Je weiter die Zeit fortschreitet, desto verflochtener werden die Wechselbeziehungen. Wo soll man da einen Ansatzpunkt finden ?
Dazu Folgendes: das zentral verbindende Element zwischen den drei Bereichen ist die Wirtschaftspolitik. Eine zügellose Marktwirtschaft vertieft die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Satt und Tot. Freie Marktwirtschaft beutet die Natur aus. Unkontrollierte Marktwirtschaft macht durch Waffenlieferungen Konfliktzonen zu Kriegsgebieten, macht konventionelle Kriege zu Atomkriegen. Am grünen Tisch wird steril und sauber über Schicksal und Überleben ganzer Nationen bestimmt. So kann Marktwirtschaft ohne soziale Regulative zur größten Bedrohung der menschlichen Gesundheit werden. Konkurrenz ja, aber bitte mit Beißhemmung. Denn Freie Marktwirtschaft ist Krieg mit anderen Mitteln.
Ich meine, es ist an der Zeit, ein Dogma anzugreifen. Gerade jetzt, wo sich die westliche Welt im Sieg über den Kommunismus sonnt, sollte der religionsgleiche Glaube an die segensreiche Kraft der sogenannten Freien Marktwirtschaft angegangen werden. Die Schattenseite von Reichtum und Überfluß heißt Hunger und Krankheit und Tod. Martkwirtschaft ohne Soziale Kontrolle ist Krieg gegen Menschen und Natur.
Ich will mir nun gar nicht anmaßen, ich hätte hier eine völlig neue Erkenntnis gefunden. Ich bin aber der festen Überzeugung, daß nur dann Naturzerstörung, Hungertod und Atomkriegsgefahr minimiert werden können, wenn umgehende und massive Einflußnahme auf das Weltwirtschaftssystem erfolgt. Um Einwände gleich vorwegzunehmen: mir schwebt nicht ein neuer Kommunismus vor. Es gibt bessere Konzepte zur Demokratisierung des Wirtschaftslebens.
Ein ganz konkreter Vorschlag: Haben Sie sich schon einmal gefragt, was Ihre Bank mit Ihrem Geld macht ?? Stellen wir diese Frage, an alle. Was nützt es, sich Frieden zu wünschen, während mit dem Sparguthaben Kredite für Rüstung, Unterdrückung und Umweltzerstörung vergeben werden. Stellen Sie sich vor, ganz viele Menschen hätten nichts weiter als den primär eigennützigen (im positiven Sinne !) Wunsch: Ich will wissen, was meine Bank mit meinem Geld macht. Denn es gibt mittlerweile andere Möglichkeiten der Geldanlage, in ökologisch-demokratisch orientierten Banken, in ökologischen Fonds. Stellen Sie sich vor: Hunderttausende von Menschen fahren NICHT nach Bonn zur Demonstration, sondern gehen zu ihrer Bank. Und selbige muß dann erfahren, daß sie nur dann ihre Kunden nicht verliert, wenn mit Geld zielgerichtet und gewissensrein gewirtschaftet wird. Wir müssen unsere Banken demokratisch unter Druck setzen.
Der Schweizer Unternehmer und UN-Berater Stephan Schmidheiny schreibt in seinem Buch KURSWECHSEL (1992): "Kapitalmärkte werden bei der Suche nach Wegen zu einer nachhaltigen Entwicklung eine entscheidende Rolle spielen.......Die Struktur und Funktionsweise der Kapitalmärkte wirken sich wesentlich auf die Verfügbarkeit des Kapitals und die Investionsprozesse aus. Sie beeinflussen die Art und Weise, wei die Manager im Hinblick auf die Kapitalbeschaffung die gegenwärtige Leistung ihres Unternehmens beurteilen und dessen künftiges Potential planen. Die Kapitalmärkte sind möglicherweise einer der wichtigsten Faktoren, die das Verhalten von Unternehmen prägen. Sie nehmen daher eine Schlüsselposition für die Lösung der Zukunftsprobleme unseres Planeten ein."
Hier kann der entscheidende Ansatzpunkt für die Einflußnahme auf ein komplexes Wirkungsgefüge liegen: Demokratische Kontrolle des Wirtschaftsprozesses kann Umwelt schützen, Armut mindern, Krankheit vermeiden, Kriege unwahrscheinlicher machen. Demokratische Kontrolle des Wirtschaftsprozesses ist möglicherweise das Regulativ, mit dessen Hilfe mittelfristig und langfristig mehr Menschen weniger Leid ertragen müssen.
Und wenn Positionen der Friedensbewegung wieder auf erbitterten Widerstand stoßen sollten, dann ist das gut so.
Im Jahr 2010:
Das nur zulassen!
Es war EUER Besitz.
Ihr meintet, Ihr seid DEMOKRATEN.
Aber Es hat Euch nicht gekümmert,
Was mit Eurem GELD geMACHT wird!"
der Ärzteinitiative IPPNW Siegen
bei
BANKEN, SPARKASSEN und VERSICHERUNGEN
Sehr geehrte Damen und Herren,
Einige von uns Ärztinnen und Ärzten der Regionalgruppe der Internationalen Ärzteinitiative IPPNW sind Kunden bei Ihnen. Bundesweit gehören der IPPNW über 10.000 Ärztinnen und Ärzte an.
Wir engagieren uns seit Jahren aktiv gegen Rüstung, Umweltzerstörung und Atomenergienutzung.
Mittlerweile stellen wir uns immer häufiger die Frage:
WAS MACHT DIE BANK MIT UNSEREM GELD ?
Denn es wäre doch widersinnig, sich auf der einen Seite aktiv gegen Mißstände zu engagieren, während das eigene Geld dem entgegen arbeitet.
Welchen Sinn macht es, durch Sparen für die Zukunft und unsere Kinder vorsorgen zu wollen, und genau damit einen Beitrag zu liefern zur Zerstörung der Lebensgrundlagen.
Die Zinshöhe ist für uns nicht mehr das einzige Kriterium für den Umgang mit Geld.
Unsere Frage an Sie:
Inwieweit ist es bei Ihnen möglich, Geld so anzulegen, daß es mit Sicherheit nicht in Rüstungsprojekte und Umweltzerstörung fließt? Gibt es beispielsweise bei Ihnen Angebote für Ökologisch-Ethische Fonds?
Mit herzlichem Dank für eine baldige Antwort
Die Ärztinnen und Ärzte der IPPNW
Ergebnis der Anfragen:
Die Siegener Regionalgruppe der IPPNW hat mittlerweile mehrfach brieflich Kontakt aufgenommen mit den lokalen Geldinstituten:
Sparkasse
Volksbank
Deutsche Bank
Dresdner Bank
Commerzbank
BfG-Bank
Citibank
BHW-Bank
Postbank
Spardabank
sowie Versicherungsgesellschaften.
Im ersten Schreiben haben wir die Frage gestellt: Was macht die Bank mit unserem Geld? Außerdem wollten wir wissen: Inwieweit gibt es Möglichkeiten, Geld so anzulegen, daß es nicht in Kredite für Rüstungsprojekte, Atomkraftprojekte oder Umweltzerstörung fließt?
In einem zweiten und dritten Schreiben haben wir Vertreter der Banken zu einer offenen Diskussion an unserem Informationsstand beim Siegener Friedensfest 1993 eingeladen, und gebeten, uns auf die folgenden Fragen eine Antwort zu geben:
FRAGEN AN DIE SIEGENER BANKEN
Warum muß Wirtschaftswachstum sein ?
Warum können bei Nullwachstum die Arbeitsplätze und der Lebensstandard nicht erhalten werden ?
Wie läßt sich ein andauerndes Wirtschaftswachstum mit der Ökologischen Krise vereinbaren?
Welche Möglichkeiten haben Geldanleger in Siegen, ihr Geld so anzulegen, daß damit nicht Rüstung gefördert oder Natur zerstört wird ?
RESONANZ:
Auf das erste Schreiben "Was macht die Bank mit unserem Geld?" hat die Mehrzahl der Banken geantwortet.
Der Einladung zur offenen Diskussion beim Friedensfest ist niemand nachgekommen. Auf die schriftliche Nachfrage sind nur Reaktionen von 2 Geldinstituten gekommen, wobei aber die Fragen nur ausweichend oder gar nicht beantwortet wurden
Auszüge aus dem Briefwechsel mit den Geldinstituten:
Auf die Frage, was die Bank mit dem Geld macht....
- schreibt die Siegener Sparkasse: ".....die Gelder.....ausschließlich Land und Leuten in unserer Region als Kredite wieder zufließen. Daher können wir uns nicht vorstellen, daß diese Gelder für die Finanzierung von Kriegen oder Atomenergieanlagen verwendet werden." (Hinweis: In Siegen gibt es etliche Rüstungsbetriebe, die Sparkasse investiert auch am Aktienmarkt).
- schreibt die Commerzbank: es ist "...nicht oder nur schwerlich möglich, die Zahlungsströme in bestimmte Richtungen zu lenken."
- schreibt die Condor-Lebensversicherung: "...Gelder werden nach den gültigen Vorschriften angelegt. Die Anlagevorschriften werden genau eingehalten. Die Anlageformen im einzelnen können mit vertretbarem Aufwand nicht dargestellt werden. Sie gehören außerdem zur Betriebsinterna und werden nicht veröffentlicht."
Von den 6 Geldinstituten, die geantwortet haben, hat keine Anlagen nach ökologisch-ethischen Kriterien bzw. mit Ausschlußkriterien anzubieten.
Auf die Fragen nach dem Sinn des Wirtschaftswachstums und seiner Vereinbarkeit mit der Ökologie.....
...schreibt die Postbank: "Sie werden sicherlich Verständnis dafür haben, daß wir auf die ersten drei Fragen als Einzelunternehmen keine Aussagen treffen können. Diese Fragen sind von allgemein-volkswirtschaftlicher Natur."
Die Volksbank beantwortet die Fragen auch nicht, gibt aber immerhin an, daß sie "....auch in unserem Hause intern ein Diskussionsthema..." sind.
Die Commerzbank Siegen hat unsere Anfrage nicht selbst beantwortet, sondern an die Filiale Köln weitergereicht, von dort heißt es: "bitte haben Sie Verständnis dafür, daß wir gesamtgesellschaftliche Fragen hier nicht stellvertretend diskutieren können." Immerhin hat die Commerzbank ein Informationsheft 'Unser Engagement für Umwelt und Natur' vorzulegen. Dort existiert ein Abschnitt 'Anlageschwerpunkt Umweltschutz'. Im ersten Satz des Vorwortes des Heftes heißt es: "Als Bank gehören wir nicht zu den Wirtschaftsunternehmen, die stark zur Umweltbelastung beitragen. Dennoch ist das Thema für uns eine Herausforderung."
Von allen anderen Instituten erhielten wir keine Antwort.
Ergebnis und Wertung:
1. Die Schlüsselfragen unserer Wirtschaftweise bleiben unbeantwortet
2. Die Siegener Geldinstitute bieten dem Sparer/Anleger keine Möglichkeit, demokratisch über die Verwendung von Geldanlagen mitzubestimmen
AUSBLICK:
Am Beispiel der Korrespondenz mit den Siegener Geldinstituten zeigen sich unserer Meinung nach zwei Erkenntnisse:
Erstens mangelndes Problembewußtsein, was die Vereinbarkeit unserer Wirtschaftsweise mit den Gegenwarts- und Zukunftsproblemen anbelangt.
Zweitens ein ausgeprägter Mangel an Demokratischen Mitbestimmungsmöglichkeiten in Wirtschaft und Geldwirtschaft.
Wir sind der Meinung:
Es bestehen enge Beziehungen zwischen den Herausforderungen der näheren Zukunft und unserem Wirtschafts- und Geldsystem.
In dramatischem Tempo ist nach dem noch vor wenigen Jahren dominanten Ost-West-Konflikt der Nord-Süd-Gegensatz in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Noch nie waren so viele Menschen auf der Flucht vor Krieg, Armut und Zerstörung. Die Konfliktherde sind häufiger und unberechenbarer geworden. Im letzten Jahr gab es mit 52 kriegerischen Konflikten so viele wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig nimmt die Zahl der atomwaffenbesitzenden Staaten zu. Die Kluft zwischen Arm und Reich weitet sich aus. Die Ökologische Zerstörung wächst dramatisch an, wovon wiederum die armen Länder am stärksten betroffen sind.
Der entscheidende Motor des wachsenden Nord-Süd-Gegensatzes und der zunehmenden Umweltzerstörung ist die wachstumsfixierte Weltwirtschaftsordnung, die vom Träger des Alternativen Nobelpreises Prof. Hans-Peter Dürr als "die wirksamste Massenvernichtungswaffe" bezeichnet wurde.
Im Sinne der Konfliktverhütung ist es erforderlich, sich dem Thema Weltwirtschaft und Geldwirtschaft zu stellen.
Die Konzeption Wirtschaftsdemokratie
"...es gibt keine Lösungen im Leben. Es gibt Kräfte in Bewegung, die muß man schaffen; die Lösungen folgen nach."
(Antoine de Saint-Exupery)
Die Behauptung: Das Weltwirtschaftssystem hat sich zur größten Bedrohung für Leben und Gesundheit von Mensch und Natur entwickelt und wird als Motor des Nord-Süd-Gefälles zum größten Kriegsrisiko.
Es ist nur das geringere Problem, daß hierzulande mehr und mehr Menschen an ihrer sozialen und wirtschaftlichen Situation erkranken. Weit gewichtiger ist die globale Situation, wo wachsender Reichtum Weniger immer mehr Armut und Tod Vieler gegenübersteht. Der Nord-Süd-Gegensatz wächst und wird zum größten Konfliktpotential der Zukunft.
Aber selbst die Wirtschaftsmächte stehen am Rande des Abgrunds, das Weltwirtschaftssystem steht auf Messers Schneide, droht zu kippen, die labile Situation wird durch künstliche gegenseitige Stützungs- und Umschuldungsmanöver der Banken aufrechterhalten. Die Einzelheiten dieser Analyse mögen anderen als mir zustehen. Doch selbst wenn die Situation der Industrienationen stabil wäre: in der Nord-Süd-Sicht ist die dominante Wirtschaftsweise zur größten Bedrohung von Mensch und Natur geworden.
Dabei hat das kaum jemand wirklich gewollt, ganz im Gegenteil, man hat die "unsichtbare Hand" des Freien Marktes als Garant und Königsweg zur Bedürfnisbefriedigung aller und für das allgemeine Wohlergehen angenommen. Mittlerweile sind aber, medizinisch betrachtet, die Nebenwirkungen weit über die erwünschte Wirkung hinausgewachsen, gleich einem schlechten Medikament. Prof. Hans-Peter Dürr, Physiker und Träger des alternativen Nobelpreises, hat kürzlich das Weltwirtschaftssystem als "die wirksamste Massenvernichtungwaffe" bezeichnet. Wie kommt das ?
Es gibt einige banale Erkenntnisse, deren Essenz dennoch im Wirtschaftssystem nicht zu finden ist: beispielsweise, daß man nicht auf Dauer Geld ausgeben kann, das man sich leihen muß. Oder, daß es auf einer begrenzten Welt kein unbegrenztes Wachstum geben kann. Das völlige Nicht-Zusammenpassen von allgemeinen Erfahrungen mit weltwirtschaftlicher Realität wirft die Frage auf und weckt Zweifel. Aber inwieweit kann man sich heutzutage als interessierter Laie erlauben, sich zu einem Fachthema zu äußern ? Als Nichtspezialist gehen Sie ein Wagnis ein. Vielleicht wird Ihr Statement sogar ganz gelesen. Zumindest aber haben Sie den Vorwurf der Inkompetenz gleich frei Haus mitgeliefert. Welchen Wert hat überhaupt in der Ära des Spezialistentums eine überschauende Erkenntnis aus der distanzierten Sicht eines interessierten Laien? In diesem Text wird deutlich werden, welche Vorteile in der Sichtweise des Nichtspezialisten verborgen liegen. Manchmal ist es nötig, ein paar Schritte zurückzutreten, um die Übersicht zu bekommen. Dabei drängt sich mehr und mehr die Erkenntnis auf, daß Wirtschaft im derzeitigen Sinne ein lebendiges, aber nicht auf Dauer lebensfähiges System ist, vergleichbar mit einem bösartigen Tumor, der durch ungebremstes Wachstum seine eigene Lebensgrundlage zerstört.
Diese Aussagen bedürfen näherer Betrachtung.
(Schlüsselworte: Systemtheorie, Kommunikation, Demokratieprinzip)
Interessante Erkenntnisse mit weitreichenden Konsequenzen ergeben sich, wenn man das Weltwirtschaftssystem aus der Sichtweise der Systemtheorie betrachtet.
In der Systemtheorie werden Gesetzmäßigkeiten in "lebenden" Systemen untersucht. Auch das Wirtschaftssystem ist als soziales System im Sinne der Systemtheorie ein lebendes System, im systemtheoretischen Sinne gelten für ein solches System genau die gleichen Grundprinzipien wie beispielsweise für biologische Systeme, also Organismen.
Frederic Vester schreibt in seinem Buch "Neuland des Denkens", einer allgemeinverständlichen Übersicht über die Systemtheorie:
"Ein fortwährendes Wirtschaftswachstum, aufgeschaukelt durch positive Rückkoppelung, wird zwangsläufig in einer Katastrophe enden." Sowie: "Das kontinuierliche Wachstum als eine der Hauptkonsequenzen unseres technisch-medizinischen Fortschrittes wird immer zur Revolution und nie zur Evolution führen. Lediglich dann, wenn - entlang jetzt vorzubereitender dynamischer Normen - neue Kommunikations- und Verhaltensweisen auftreten, werden neue Gleichgewichtsgesellschaften entstehen können."
Und außerdem:
"In unserem ersten Kapitel über Systeme haben wir erfahren, daß ein wachsendes System, soll es langfristig funktionieren und größte Freiheit der Entfaltung für seine Individuen bieten, dies nur durch rechtzeitiges Umschwenken vom quantitativen Mengenwachstum auf ein qualtitatives Wachstum in Struktur und Gestalt erreichen kann, durch ein Umschwenken auf ein offenes Fließgleichgewicht. Nur ein solches ist frei von Zwängen, jederzeit an Umweltveränderungen anpassungsfähig und von entsprechend geringer Störanfälligkeit. Noch ist es vielfach bloß das mit einem solchen Umschwenken verbundene Unbekannte, was uns schreckt, Streß erzeugt, uns erneut unbeweglich macht - oder auch die (im unvernetzten Denken fußende) Folgerung, daß dies dann nur abrupt (also nicht nach einer dynamischen Norm) geschehen müsse."
Was ist denn nun das Neue an der Systemtheorie gegenüber der herkömmlichen Sichtweise? Hier einige Kriterien:
Der Grundgedanke ist, daß einfaches Ursache-Wirkungs-Denken der Realität nicht gerecht wird. Vielmehr ist die Realität ein vernetztes System, in dem es oft weniger auf jene Einzelbereiche ankommt als auf die Beziehungen zwischen ihnen. Eine der Konsequenzen ist, daß das Denken in WirkungsNETZEN statt in Wirkungsketten erfolgen sollte. Darüber hinaus ergibt sich:
"Von den Teilen zum Ganzen gehend läßt sich das Verhalten eines Systems nicht konstruieren; hier geht der Weg vom Ganzen zum Detail. Dann erfahren wir zwar nicht, wie sich ein bestimmtes Detail entwickeln wird, dafür aber eine Menge über langfristige Tendenzen." (Vester)
Zunächst erscheint uns ein Denken fremd, bei dem man die Details bewußt vernachlässigt. Es läßt sich aber zeigen, daß bei der kalkulierten Vernachlässigung von Details die Beziehungen zwischen den Teilen eines Systems deutlicher zutage treten, wodurch die Ganzheit des Systems besser als "Bild" erkennbar wird. Man könnte dies auch als die STÄRKE DER UNSCHÄRFE bezeichnen. Noch eine weitere Formulierung der selben Erkenntnis ist sinnvoll: Das Verhalten von Systemen läßt sich eher aus der Kommunikation zwischen ihren Elementen ableiten als aus den Elementen selbst.
Zunächst mag das alles sehr theoretisch erscheinen, aber es hat handfeste Konsequenzen:
Berühmt geworden ist das Experiment Tanaland: Testpersonen waren aufgefordert, eine künstliche Computerwelt auf realer Grundlage so zu steuern, daß dies langfristig dem allgemeinen Wohlergehen der "Bevölkerung" dient. Die Ergebnisse waren desolat. Meistens mündeten nur kurzfristige stabile Zustände in dem künstlichen Lebensraum in wirtschaftliche oder ökologische Katastrophen: Ursache dafür war vor allem ein eindimensionales Ursache-Wirkungs-Denken der Probanden. Folgende Erkenntnisse konnten aus dem Experiment gewonnen werden, und ich bitte schon an dieser Stelle, beim Lesen offen zu sein für Assoziationen mit dem Weltwirtschaftssystem.
Lehren aus dem Experiment "Tanaland":
Die sechs häufigsten Strategiefehler:
- Mangelhalfte Zielerkennung (was bedeutet: Überlebensfähigkeit des Gesamtsystems)
- Beschränkung auf Ausschnitte aus der Gesamtsituation
- Einseitige Schwerpunktsbildung
- Unbeachtete Nebenwirkungen
- Tendenz zur Übersteuerung
- Tendenz zu autoritärem Verhalten...........das jedoch für komplexe Systeme völlig ungeeignet ist. Für diese ist ein "anschmiegsames Verhalten", welches mit dem Strom schwimmend verändert, am wirkungsvollsten
Nachweislich viel besser können die Ergebnisse sein, wenn es nicht hauptsächlich darum geht, eine bestimmte Struktur am Leben zu erhalten, sondern den laufenden dynamischen Prozeß zu managen, die Fluktuationen des Systems in den Griff zu bekommen. Wieder greift hier das Grundprinzip, daß die Beziehungen zwischen den Teilen wichtiger sind als die Teile selbst.
Genau an dieser Stelle soll eine weitere Essenz der systemtheoretischen Sicht benannt werden. Es geht um den Begriff der INFORMATION.
"INFORMATION ist eine eigene Wesenheit, auf die jedes Leben angewiesen ist."
"Das, was tote Materie zu lebender macht, ist die ANORDNUNG DES Stoffes oder, genauer, die sich in dieser Anordnung ausdrückende Information - und nicht der Stoff selbst."(Vester)
Noch ein Grundprinzip muß unbedingt vorgestellt werden, das der RÜCKKOPPELUNG.
Gemeint ist die für alle lebenden Systeme obligate Eigenschaft, daß ein Teil ihrer Prozesse auf sich selbst zurückwirkt, sich sozusagen selbst am Leben erhält. Dies hängt wiederum eng mit der SELBSTORGANISATION zusammen, und kann in dem gegebenen Rahmen nicht ausführlicher erläutert werden (ich darf nochmal auf Vester verweisen). Ganz entscheidend ist aber, daß letztlich negative Rückkoppelung über positive dominieren muß, damit sich ein System nicht letztlich durch dauerndes Wachstum selbst zerstört.
An dieser Stelle wird die Beziehung zum Weltwirtschaftssystem offensichtlich: Selbiges ist derzeit auf dauerndes Wachstum angewiesen, Wachstum initiiert weiteres Wachstum, hier dominiert also positive Rückkoppelung über negative. Die daraus ableitbare Konsequenz ist die, daß das Weltwirtschaftssystem zwar ein lebendes System ist, aber nicht auf lange Zeit oder gar auf Dauer lebensfähig.
Es gibt weitere Systemtheoretische Regeln zur Beurteilung der Überlebensfähigkeit von Systemen, und ich will mich hier kurz fassen. Jedenfalls fällt auf , daß die Praxis des Wirtschaftssystems in nahezu allen Punkten die Kriterien für Überlebensfähigkeit nicht erfüllt.
Soweit zur Diagnose und Prognose des Weltwirtschaftssystems. Der Weg bis zur Selbstzerstörung des Systems dürfte gepflastert sein mit ökologischen und kriegerischen Katastrophen. Mit der Therapie des Weltwirtschaftssystems dürfte es viel schwieriger werden, vielleicht ist die Krankheit bereits unheilbar. Zumindest einen Anhaltspunkt liefert aber das schon genannte Zitat:
"Das kontinuierliche Wachstum als eine der Hauptkonsequenzen unseres technisch-medizinischen Fortschrittes wird immer zur Revolution und nie zur Evolution führen. Lediglich dann, wenn - entlang jetzt vorzubereitender dynamischer Normen - neue Kommunikations- und Verhaltensweisen auftreten, werden neue Gleichgewichtsgesellschaften entstehen können."
Hier wird das Stichwort Kommunikation geliefert, und ich frage Sie: Wie sieht es denn eigentlich aus mit der Kommunikation in der Wirtschaft ??
Meines Erachtens besteht eine Kommunikationsstörung zwischen Produzenten und Verbrauchern. Während der Informationsfluß vom Produzent zum Verbraucher übermäßig bis penetrant ausgeprägt ist, besteht der Kommunikative Beitrag des Verbrauchers in der umgekehrten Richtung des Informationsflusses nur in der Entscheidung, ein bestimmtes Produkt zu kaufen oder nicht zu kaufen. Nun gut, das ist eine Einflußnahme auf den Wirtschaftsprozeß. Aber ist das nicht eher ein REAGIEREN auf schon abgelaufene Prozesse ? Heutzutage haben Planungen für Großprojekte eine Vorlaufzeit von 20-30 Jahren. Wo ist die Einflußmöglichkeit derer, die letztlich nicht nur die Käufer sind, sondern auch die Betroffenen ? Wie würde sich das auf den Wirtschaftsprozeß auswirken, wenn diese Kommunikationsstörung beseitigt wäre, wenn die Verbraucher langfristige Planungen mit beeinflussen könnten ?
Und damit sind wir unmittelbar bei dem Stichwort DEMOKRATIE.
Die Idee der Demokratie ist: Kontrolle der Macht durch das Volk. Wir haben in unserem Land eine leidlich funktionierende politische Demokratie, zumindest im Vergleich zu anderen Staaten. Aber wie sieht es in dem Bereich aus, der wohl im alltäglichen Leben weit mehr Macht über uns hat als das Politische, im Bereich des Wirtschaftslebens ? Wann hat man Sie zuletzt gefragt, ob hunderttausende Tonnen überschüssiger wertvoller Lebensmittel einfach ins Meer gekippt werden sollen, ob immer mehr Einwegverpackungen produziert werden sollen, ob weiter Rüstung exportiert werden soll ? Haben Sie schon einmal Ihrer Bank sagen dürfen, was mit Ihrem Geld gemacht oder nicht gemacht werden soll?
Demokratische Kontrolle der Wirtschaft, das ist im Systemtheoretischen Sinne in vielerlei Hinsicht sinnvoll, weil stabilisierend. Zum einen kann demokratische Kontrolle für die notwendige negative Rückkoppelung sorgen. Demokratische Kontrolle der Wirtschaft lindert das Kommunikationsdefizit zwischen Verbraucher und Produzenten. Zusätzlich gehen demokratische Kontrolle und Transparenz des Wirtschaftssystems eine Wechselwirkung ein: Demokratische Kontrolle fördert die Durchschaubarkeit wirtschaftlicher Prozesse, Transparenz wiederum fördert Demokratie. Demokratie schafft Transparenz schafft Demokratie.
Kurzfristig betrachtet findet man mit einer demokratischen Entscheidung nicht immer und unbedingt die beste Lösung. Man findet aber auf jeden Fall die, hinter der die meisten Betroffenen stehen. Und genau diese Lösung wird sich mittel- und langfristig mit hoher Wahrscheinlichkeit als die Beste erweisen. In dieser Hinsicht hat das Demokratieprinzip den Charakter der Rückbezüglichkeit/Rückkoppelung auf sich selbst, auch dies in obengenanntem Sinne als stabilisierend zu beurteilen.
Demokratisierung des Wirtschaftsprozesses: Aber Wie ??
(Schlüsselwörter: Modell, Wirklichkeit, Konstruktivismus, Wahrheit, Verantwortung, Toleranz)
Damit keinesfalls Mißverständnisse aufkommen: hier werden keine Rezepte oder gar fertige Lösungen geliefert. Es kann nur um Wege gehen, nicht um definierte Ziele, Tendenzen statt Zustände. Auch der Systemtheoretische Ansatz ist nicht die Wirklichkeit, sondern ein Modell von ihr.
Glücklicherweise gibt es verschiedene Weltsichten und Weltmodelle. Es ist jedoch an der Zeit, für Diagnose und Therapie verwendete Weltmodelle zumindest so zu wählen, daß sie mit gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen zusammenpassen.
Um neue Wege und Konzepte richtig einschätzen zu können, ist Beschäftigung mit Erkenntnistheorie sinnvoll, denn......
"Wenn nämlich das WAS des Wissens vom betreffenden Erkenntnisvorgang, dem WIE, bestimmt wird, dann hängt unser Bild der Wirklichkeit nicht mehr nur davon ab, WAS außerhalb von uns der Fall ist, sonder unvermeidlich davon, WIE wir dieses WAS erfassen." (Paul Watzlawick, seines Zeichens Erkenntnistheoretiker und Kommunikationswissenschaftler)
Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, daß es aus der Sicht des Menschen keine absolute Wirklichkeit gibt, sondern nur Bilder bzw. Modelle von ihr. Und selbst die Realitätswahrnehmung verschiedener menschlicher Individuen variiert beträchtlich. Ein menschlicher Organismus nimmt mit allen seinen Sinnesrezeptoren pro Sekunde etwa 100.000 bit an Information auf. Von diesen 100.000 bit werden aber selbst in hellwachem und konzentriertem Zustand maximal 100 bit bewußt wahrgenommen, das ist gerade 1 Promill. Also: von allen möglichen Impulsen aus der "Realität" kann ein menschlicher Organismus aufgrund der Struktur seiner Sinnesorgane nur einen Teil aufnehmen, und selbst von diesem Teil wird höchstens 1 Promill für die bewußte Wahrnehmung verfügbar.
Und die nächste Frage ist, WELCHE 100 bit von 100.000 dem jeweiligen Individuum bewußt werden. Ist findet sozusagen eine Filterung statt, bei der letztlich nur ein kleiner Teil ins Bewußtsein vordringt. Und welcher Teil das ist, ist nicht nur von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich, sondern sogar bei ein und demselben Individuum je nach Stimmungslage und Situation. So oder so ähnlich kann man die Erkenntnis "Jeder sieht die Welt mit anderen Augen" eben auch formulieren, auf fundierter neurophysiologischer und erkenntnistheoretischer Grundlage. Das Bild der Welt wird vom Organismus KONSTRUIERT, daher auch die Bezeichnung Konstruktivistische Erkenntnistheorie.
Insgesamt verhält sich das Bild des Menschen von der Realität zur Realität wie der Schlüssel zum Schloß: Der Schlüssel PASST zum Schloß, genau wie unser Bild der Realität zur Realität PASST, immerhin erlaubt uns unser Bild der Wirklichkeit doch mehr oder weniger gut, mit der Wirklichkeit UMZUGEHEN. Genauso kann ein passender Schlüssel das Schloß aufschließen. Aber nie käme jemand auf die Idee zu sagen, das Schloß und der passende Schlüssel seien gleich.
"Das Bewußtsein erkennt aufgrund eines Vergleichs "Wiederholung", "Konstanz", "Regelmäßigkeit". Dadurch ergibt sich Struktur im Fluß des Erlebens. Diese Struktur ist, was der bewußte kognitive Organismus als "Wirklichkeit erlebt". Die Möglichkeiten, so eine Ordnung zu konstruieren, werden stets durch die vorhergehenden Schritte der Konstruktion bestimmt. Das heißt, daß die "wirkliche" Welt sich ausschließlich dort offenbart, wo unsere Konstruktionen scheitern." (Ernst von Glaserfeld)
"Die Wahrnehmung eines Apfels können wir nur mit anderen Wahrnehmungen vergleichen, niemals aber mit dem Apfel selbst." (Ernst von Glaserfeld)
Für unseren Umgang mit der Realität hat dies erhebliche Konsequenzen, also auch für Diagnose und Therapie des Weltwirtschaftssystems.
Es ergibt sich, daß wir unzweifelhaft für unser Tun und Lassen VERANTWORTUNG tragen, denn unsere Sicht der Welt und was wir mit ihr tun ist unsere eigene Konstruktion. Wir können die Verantwortung für das, was wir tun oder nicht tun, nicht an irgendeine höhere Instanz abgeben, wir tragen sie selbst. Die Last dieser Verantwortung hat aber auch Positives:
"Die volle Verantwortlichkeit des konstruktivistischen Denkens bedeutet auch die volle Freiheit, weil die Möglicheit des Andersgestaltens immer besteht." (Paul Watzlawick)
Wir sind außerdem dazu aufgerufen, immer und immer wieder zu überprüfen, ob unsere Weltsicht noch PASST. Es ist unsere Aufgabe, unsere Gedankenmodelle mit unseren übrigen Wahrnehmungen in Einklang zu bringen, besser passend zu machen.
"An sich ist kein Ding weder gut noch bös, das Denken macht es erst dazu." (Shakespeare)
"Der Verstand schöpft seine Gesetze nicht aus der Natur, sondern schreibt sie ihr vor." (Kant)
Dem nicht genug: diese erkenntnistheoretische Sicht bedeutet nicht nur VERANTWORTUNG; sondern vor allem auch Toleranz: Denn es gibt nicht DIE WIRKLICHKEIT, sondern ganz viele verschiedene subjektive Wirklichkeiten, die sich sogar bei ein und demselben Individuum von Minute zu Minute ändern können.
"Die Einsicht, daß wir nichts wissen, solange wir nicht wissen, daß wir nichts endgültig wissen, ist die Voraussetzung des Respekts für die von anderen Menschen erfundenen Wirklichkeiten." (Paul Watzlawick)
"Die empirische Welt des Lebenden und die Logik der Selbstreferenz und die gesamte Naturgeschichte der Rückbezüglichkeit lehrt uns, daß Ethik - Toleranz und Pluralismus, Loslösung von unseren Wahrnehmungen und Werten, um Rücksicht zu nehmen auf Wahrnehmungen und Werte anderer - schlechthin die Grundlage der Erkenntnis und zugleich ihr Endpunkt ist. An dieser Stelle sind Taten eindeutiger als Worte." (Varela)
Und jedes Modell, sei es eine Erkenntnistheorie oder eine Wirtschaftstheorie, muß immer wieder auf PASSEN überprüft und bei Bedarf weiterentwickelt werden. Dafür sind wir VERANTWORTLICH und dazu haben wir die FREIHEIT.
(Schlüsselwort: Chaostheorie)
Jedes Modell für eine komplexe Realität hat Lücken und Widersprüche. Gerade diese weisen den Weg zu einem verbesserten Modell, aber auch dieses oder alle nachfolgenden werden nie in sich vollständig schlüssig sein können. Insofern beeinhaltet auch das gerade passendste Modell Unwägbarkeiten und Risiken. Selbstverständlich gilt das auch für die Systemtheorie, welche mittlerweile durch die CHAOSTHEORIE ergänzt werden muß.
" Die einzige Wissenschaft, die zur Zeit noch - wenigstens ansatzweise - erklären kann, was stattfindet, ist die Chaosforschung. Nicht die Politologie oder die Ökonomie. Wenn eine nicht mehr haltbare Ordnung durch etwas Neues ersetzt werden muß, dann geschieht das aus dem gleichzeitig zerstörerischen wie schöpferischen Akt des Chaos heraus."(Günther Wallraff )
Jedes geordnete und regelhafte System kann in bestimmten Situationen in einen chaotischen Prozeß umschlagen, dessen genaues Auftreten und Verlauf nicht vorausberechenbar ist. Es existiert eine schmale Grenzlinie zwischen geordneten und ungeordneten Abläufen, auf der die Reaktion eines Systems nicht voraussehbar ist. Es scheint, daß wir uns damit abfinden müssen.
Aber genau diese chaotischen Prozesse sind für die Stabilität der geordneten Prozesse von existentieller Bedeutung. Ohne das angrenzende Chaos kann sich kein biologisches oder soziales System an neue Gegebenheiten anpassen. Das Chaos ist sozusagen die Spielwiese der Evolution, in der neue Überlebensstrategien für die geordneten Systeme entstehen und durch Versuch und Irrtum getestet werden.
So ist jedes lebende System auf einen Anteil ungeordneter Prozesse angewiesen. Prozesse, die zu sehr geordnet sind, können sich nicht an geänderte Umstände anpassen und zerstören ihre eigene Existenzgrundlage, das gilt beispielsweise für Krebsgeschwülste, die sich nach einem einfachen "Ordnungsprinzip" immer weiter vermehren. Es ist ausdrücklich zulässig, diese Erkenntnis auf das starre Wachstumsprinzip des Wirtschaftens zu übertragen.
"Ein fortwährendes Wirtschaftswachstum, aufgeschaukelt durch positive Rückkoppelung, wird zwangsläufig in einer Katastrophe enden. Solche in komplexen Gesamtsystemen durchaus üblichen Entwicklungen lassen sich mittlerweile äußerst anschaulich mit der Chaostheorie beschreiben."(Vester)
Somit kann gefolgert werden, daß auch wohlmeinende Interventionen zum unbeherrschbaren Kontrollverlust führen können. Aber entbindet uns das von der Verantwortung ?
Verantwortung für Tun und Lassen ist gehört zur menschlichen Existenz. Die Last der Verantwortung birgt die volle Freiheit. Die Möglichkeit des Andersgestaltens besteht. Toleranz ist im Umgang mit anderen Menschen und Weltbildern oberstes Prinzip. Komplexe Systeme werden durch Kommunikation und Information stabilisiert und überlebensfähig.
Demokratisierung des Wirtschaftsprozesses kann EIN Weg sein, der diesen Kriterien genügt, und der dadurch eine immense Eigendynamik entwickeln könnte. Wie könnten Initialzündungen für einen solchen Prozeß entstehen ?
EINEN Hinweis dazu gibt der schweizer Manager und UN-Berater Stephan Schmidheiny in seinem Buch "Kurswechsel". Vorweg dazu: Schmidheiny liefert stichhaltige Konzepte aus der Sicht der Unternehmer mit dem Ziel einer ökologischen Umgestaltung. Ich bin allerdings der Meinung, daß sich der von Schmidheiny vorgeschlagene Weg nur durch erheblichen demokratischen Druck von der Basis, also von den Verbrauchern, durchhalten läßt. Und genau dazu liefert der Autor zumindest einen Ansatzpunkt:
"Kapitalmärkte werden bei der Suche nach Wegen zu einer nachhaltigen Entwicklung eine entscheidende Rolle spielen.......Die Struktur und Funktionsweise der Kapitalmärkte wirken sich wesentlich auf die Verfügbarkeit des Kapitals und die Investionsprozesse aus. Sie beeinflussen die Art und Weise, wie die Manager im Hinblick auf die Kapitalbeschaffung die gegenwärtige Leistung ihres Unternehmens beurteilen und dessen künftiges Potential planen. Die Kapitalmärkte sind möglicherweise einer der wichtigsten Faktoren, die das Verhalten von Unternehmen prägen. Sie nehmen daher eine Schlüsselposition für die Lösung der Zukunftsprobleme unseres Planeten ein." (Schmidheiny)
Stellen Sie sich vor, alle Sparer und Anleger würden sich die Frage stellen, was die Bank mit Ihrem Geld macht ? Demokratie wäre in dieser Hinsicht die Mitbestimmung bei der Verwendung der Spar- und Anlageguthaben. Solche Mitbestimmung sollte bewußt UNSCHARF sein, konkrete Bindung an Einzelprojekte würde Einzelegoismen fördern. Besser soll die grobe Richtung der Gesamtentwicklung des Wirtschaftsprozesses beeinflußt werden.
"Die Kapitalmärkte bilden zum beidseitigen Vorteil eine Brücke zwischen Individuen mit kurzfristigen Planungshorizonten einerseits und Unternehmen sowie Projekten andererseits, die längerfristig angelegt sind. Diese Bindeglieder sorgen dafür, daß die Sparer mit ihren Investitionsgewohnheiten Kapital für langfristige Planungshorizonte bereitstellen können."
"Die Verknüpfung von Verhaltensänderung mit strukturellem Wandel gibt einen Hinweis drauf, daß die Kapitalmärkte einen wesentlichen Beitrag zur Neugestaltung der Weltwirtschaftsordnung und der Beziehungen zwischen Wirtschaft und Umwelt leisten werden."
Ich halte es für eine Illusion, zu glauben, man könne ein System, das lange Zeit gute Dienste geleistet hat, einfach abschaffen. Zielrichtung sollte eine Weiterentwicklung sein im evolutionären Sinne. Erfolgreiche neue Entwicklungen können so dominant werden, daß Altes von ihnen nach und nach verdrängt wird.
Wirtschaftsdemokratie, das ist nur EIN Konzept. Es kann viele Wege geben, die einen Selbsterhaltenden Prozeß einleiten können. Am wichtigsten ist zu wissen, wie wir NICHT handeln sollten, dabei werden passende Modelle helfen. Vor allem ist vonnöten eine Menge Phantasie und Selbstkritik, ein wenig Mut zu Trial and Error, und nicht zu vergessen eine Portion "Chaos", aus dessen Reservoir die Entwicklung schöpfen kann.
" Nichts kommt von selbst. Und nur wenig ist von Dauer - besinnt Euch auf Eure Kraft."
(Willy Brandt)
Kurzfassung der "Konzeption Wirtschaftsdemokratie" in Thesenform
1.
Das Weltwirtschaftssystem hat sich zur größten Bedrohung für Leben und Gesundheit von Mensch und Natur entwickelt und wird als Motor des Nord-Süd-Gefälles zum größten Kriegsrisiko.
2.
Das Weltwirtschaftssystem in seiner jetzigen Form ist die treibende Kraft für Ressourcenverschwendung und Umweltzerstörung sowie für die Verschärfung des Nord-Süd-Gegensatzes. Das Weltwirtschaftssystem hat eine zerstörerische Eigendynamik entwickelt, die von der Mehrzahl der Menschen nicht gewünscht und nicht beabsichtigt ist. Kaum jemand will Umweltzerstörung, Massenverelendung, Hungertod und Verschwendung. Dennoch sind dies direkte Folgen der Sachzwänge des wirtschaftlichen Systems.
3.
Zur Verbesserung dieses Zustandes gibt es keine Patentlösungen. Sicher ist aber, daß für den notwendigen Wandel keine veralteten Konzepte herangezogen werden sollten. Insbesondere ist eine Weiterführung des Denkens und Handelns in vereinfachenden Ursache-Wirkungs-Schemata zum Scheitern verurteilt. Erforderlich und längst überfällig ist vernetztes, systemorientiertes Denken und Handeln.
4.
Bei der Analyse der Beziehungen im Weltwirtschaftssystem und Nord-Süd-Konflikt fällt vor allem ein eklatanter Mangel an Demokratie auf. Während es in der westlichen Welt leidlich funktionierende POLITISCHE Demokratien gibt, fehlen demokratische Strukturen im Weltwirtschaftssystem.
5.
Es ist sinnlos, durch Planungen und Gesetze einen ganz bestimmten Zustand erreichen zu wollen. Systemorientiert gedacht ist entscheidend, eine neue TENDENZ einzuleiten. Der vielversprechendste Weg in dieser Richtung ist die DEMOKRATISIERUNG DES WELTWIRTSCHAFTSSYSTEM.
6.
Wir können gar nicht anders, als mit der Demokratisierung der Wirtschaft BEI UNS anzufangen.
7.
Das Weltwirtschaftssystem soll nicht abgeschafft, sondern durch Demokratische Strukturen ERGÄNZT werden im Sinne eines evolutionären Konzeptes.
8.
Eine Schlüsselrolle bei der Demokratisierung des Weltwirtschaftssystem spielen die Banken und Finanzmärkte, sie sind wesentliche Regulative der Wirtschaftsentwicklung.
9.
Der Mangel an Demokratie im Wirtschaftssystem ist praktisch für jeden einzelnen daran spürbar, daß kaum jemand wissen kann oder gar bestimmen kann, was die Bank mit seinem/ihrem Geld macht. Dem Wirtschaftssystem fehlt Transparenz.
10.
Es gilt, Finanz- und Bankenkonzepte zu fördern, die demokratische Mitbestimmung über die Weiterverwendung der Geldanlagen zulassen. Erste Projekte dieser Art existieren bereits.
11.
Jeder sollte die Möglichkeit haben, zu bestimmen, was die Bank mit seinem/ihrem Geld macht. Zinsen dürfen nicht mehr das einzige Kriterium im Umgang mit Geld sein. Ein Umdenkungsprozeß im Umgang mit dem Machtmittel Geld ist erforderlich.
12.
Natürlich läßt sich die Wirtschaftsentwicklung auch mit Hilfe von Gesetzen lenken (Kohlendioxidsteuer usw.). Wie aber Vergangenheit und Gegenwart zeigt, werden solche Gesetze erst verabschiedet, wenn sie mit genügenden demokratischen Druck verlangt werden.
13.
Demokratisierung der Weltwirtschaft kann einen Umdenkungsprozeß einleiten, der die Bedrohung von Leben und Gesundheit von Mensch und Natur mindert. Demokratisierung der Weltwirtschaft wird auch einen Beitrag liefern zum Abbau des Nord-Süd-Konfliktes und so künftige Kriege unwahrscheinlicher machen. Wichtigstes und greifbares Mittel zum Einstieg in die Wirtschaftsdemokratie ist die Einführung Demokratischer Steuerungsinstrumente in die Finanzwirtschaft. Jeder soll bestimmen können, was mit seinem Geld gemacht bzw. nicht gemacht wird.
14.
Es ist Zeit für eine Demokratische Weiterentwicklung des Weltwirtschaftssystems.
die Weltwirtschaft vom Wachstumszwang zu befreien und zu einer Kreislaufwirtschaft weiterzuentwickeln, sind die globalen Herausforderungen
Ökokatastrophe, Krieg und Unterentwicklung nicht zu bewältigen. Die Spielregeln des Geldes müssen demokratisch verbessert werden.
Über Strategien zur ökologischen Umorientierung der Weltwirtschaft
Meistens macht es nicht viel Sinn, EIN Buch gerade nach dem Merkmal zu kritisieren, WAS FEHLT.
Wenn aber zum gleichen Thema innerhalb kurzer Zeit gleich MEHRERE Bücher aus ganz verschiedenen Blickwinkeln erscheinen, und dennoch ein wesentlicher Aspekt nirgendwo vorkommt, dann ist das nachdenkenswert. Es handelt sich um nichts weniger als um das Kriterium DEMOKRATIE.
Das erste Buch stammt vom amerikanischen Vizepräsidenten Al Gore und heißt "Wege zum Gleichgewicht - Ein Marshallplan für die Erde"(1992).
Das zweite Buch hat verfaßt der Schweizer Top-Manager Stephan Schmidheiny, gleichzeitig Berater der UN in Fragen von Wirtschaft und Ökologie, und heißt: "Kurswechsel - Globale unternehmerische Perspektiven für Entwicklung und Umwelt"(1992).
Das dritte Buch stammt von den Wissenschaftlern Brown/ Flavin/ Postel, die auch das World-Watch-Magazin herausbringen, und heißt: "Zur Rettung des Planeten Erde - Strategien für eine ökologisch nachhaltige Weltwirtschaft"(1991).
Und das Vierte: heißt "Welche Wirtschaft braucht die Natur? - Mit der Ökonomie die Ökokrise lösen"(1993) und ist geschrieben vom Wirtschaftswissenschaftler Prof. Hans Immler.
Vorweg: Alle 4 Bücher sind äußerst bemerkenswert, voller Ideen und Engagement.
Vizepräsident Al Gore will durch eine äußerste gemeinsame internationale Anstrengung im Sinne eines MARSHALLPLANES, bei der die USA die Vorreiterrolle spielt, die Ökologie des Planeten retten. In seiner stichhaltigen Analyse gebraucht er den Begriff DYSFUNKTIONALITÄT UNSERER ZIVILISATION. Für eine ÖKOLOGIE DES GEISTES plädiert er und will die ÖKOLOGIE ZUM ZENTRALEN ORDNUNGSPRINZIP DER GESELLSCHAFT MACHEN. Dazu schlägt er eine ganze Reihe konkreter, praktischer, auch gesetzlicher Maßnahmen vor, angefangen mit ÖKOSTEUERN.
Der Topmanager Schmidheiny will die NACHHALTIGE ENTWICKLUNG zum Grundprinzip des Wirtschaftens machen. Das VORSORGEPRINZIP soll dafür sorgen, daß nicht zum Zwecke eines kurzfristigen Nutzens dauernder Schaden entsteht. Er will die BELASTUNG DER VERURSACHER MIT DEN VOLLEN FOLGE- UND UMWELTKOSTEN. Außerdem sollen UMWELTKOSTEN TEIL DER BETRIEBSKOSTEN UND DER PREISE werden. Außerdem sollen EMISSIONSABGABEN fällig werden. Dadurch soll die ENERGIEEFFIZIENZ besser und besser werden, Ziel ist letztlich die ÖKO-EFFIZIENZ des Wirtschaftsprozesses. Und Schmidheiny hat gute Argumente dafür, daß nur der langfristig als Unternehmer erfolgreich sein kann, der ökologische Kriterien einbezieht.
Ergänzt und transparent wird all dies noch durch das COMPLIANCE AND REPORTING-PRINZIP.
Die Wissenschaftler Brown/ Flavin/ Postel fordern die EFFIZIENZREVOLUTION und NACHHALTIGEN FORTSCHRITT STATT WACHSTUM.
Mittel dazu sind SOLARWIRTSCHAFT, WIEDERVERWENDUNG UND WIEDERVERWERTUNG. Das Bruttosozialprodukt soll endlich ersetzt werden durch NEUE INDIKATOREN MENSCHLICHER WOHLFAHRT (HDI, ISEW).
Und weitere Maßnahmen sind nötig: ÖKOSTEUERN und KOHLENSTOFFABGABEN, FAMILIENPLANUNGSPROGRAMME, ANREIZE FÜR WIEDERAUFFORSTUNG, als Ergänzung noch ein internationaler FONDS ZUR WIEDERHERSTELLUNG DER NATUR.
Der Wirtschaftswissenschaftler Immler will DIE RÜCKKEHR DER NATUR IN DIE GESELLSCHAFT, er hat gute Argumente dafür, daß die NATUR DER ENTSCHEIDENDE PRODUKTIONSFAKTOR ist. Die WIRTSCHAFT MUSS SICH DER NATUR UNTERWERFEN, nicht umgekehrt. Das LEITBILD DES ÖKOLOGISCHEN KONSUMENTEN wird entworfen. Der KRIEG GEGEN DIE NATUR MUSS BEENDET WERDEN, anstatt Natur zum auszubeutenden Objekt zu machen, muß NATUR ALS SINN gesehen werden. Die Wirtschaftsweise, die sich daraus ergibt, nennt er REPRODUKTIVE KONSUMTION.
Insgesamt: Vier Sichtweisen zum selben Thema, mit einigen Überschneidungen in unterschiedlicher Formulierung, ergänzt durch spezifische Vorschläge je nach Blickfeld des Autors. Alles in Allem ein weites Feld vernünftiger, notwendiger und durchführbarer Maßnahmen, so daß man sich unwillkürlich fragt:
Warum ist bisher fast nichts davon umgesetzt?
Auf diese Frage werde ich später noch zurückkommen, denn an dieser Stelle, mich zurücklehnend, die vier Bücher im Überblick betrachtend, drängt sich mir ein Gedanke auf:
Welche Rolle spielt hier eigentlich DAS VOLK ?
Und suche nochmal und blättere und finde: keine. Bei sämtlichen Maßnahmen, die angeboten werden, handelt es sich um Interventionen VON OBEN. Gesetze, Dekrete, Anordnungen, neue Steuern, alles Maßnahmen nach dem Schema Alles Gute kommt von oben.
Trotz der Modernität der Konzepte: ist dies nicht ein Rückfall in die Zeit, als man glaubte, gerade in schwierigen Zeiten müsse man VON OBEN durchgreifen? Ist das nicht ein Zurückfallen in Autoritätsprinzipien, die die moderne Welt gerade einzudämmen oder abzuschaffen wußte? Steckt das immer noch in uns, man müsse bei schwerwiegenden Problemen vor allem mit DRUCK arbeiten?
Nicht daß ich falsch verstanden werde: Ich will nicht sagen, daß die Vorschläge von Gore, Schmidheiny, Brown/Flavin/Postel und Immler schlecht oder untauglich sind. Ganz im Gegenteil, ich halte sie für äußerst notwendig.
Aber wo ist das Pendant VON UNTEN ?
Wo ist der demokratische Beitrag und das demokratische Regulativ? Glauben denn wirklich noch so viele, DAS VOLK sei zu dumm, sich sinnvoll an zukunftsweisenden Entscheidungen für das Wirtschaften zu beteiligen? Oft genug wurden die Menschen unterschätzt.
Wer bei uns wenig Geld hat, würde sehr wohl eine natürliche Vollwertkost der Aldi-Filiale vorziehen, er wird sehr wohl eine Entwicklung fördern, die Aldi die Einbeziehung von ökologischen und gesundheitlichen Folgekosten in die Preise vorschreibt und ökologischen Anbau fördert.
Ein bundesdeutscher Bauarbeiter wird sehr wohl eine Art des Wirtschaftens fördern, die ihm seinen Arbeitsplatz nachhaltig sichert, anstatt trotz mäßigen Wachstums mehr und mehr Arbeitslosigkeit zu produzieren.
Die Menschen in der "Dritten Welt" würden sich nichts mehr wünschen als ein Wirtschaften, das die Schuldenfalle nicht immer weiter zuschnappen läßt.
Mangel an Demokratie, ist das nicht beinahe so wie vor 200 Jahren, als so viele glaubten, eine Beteiligung der Menschen an politischen Entscheidungen würde unweigerlich ins Chaos führen? Die Geschichte hat das Gegenteil bewiesen.
Und die Könige von damals, das sind die Banken und Großkonzerne von heute. Ihre Wirtschaftsmacht demokratisch zu kontrollieren zum Wohle des Volkes, das ist die gesellschaftliche Herausforderung der Zukunft.
Wie das gehen soll, fragen Sie? Beispielsweise, daß wir unseren Banken sagen, was sie und vor allem was sie NICHT mit unserem Geld machen dürfen.
Aus der Geld-Macht soll eine Geld-Demokratie werden. Innerhalb dieses Grundprinzips sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt, Ausführliches dazu soll an anderer Stelle gesagt und erörtert werden.
Und dann kommen wir auf die erste Frage zurück: Warum ist bisher fast nichts davon umgesetzt?
Der Kreis schließt sich mit einer ganz persönlichen Antwort: Ich bin fest davon überzeugt, daß sich der Großteil der lobenswerten Vorschläge von Gore, Schmidheiny, Brown/Flavin/Postel und Immler nicht wird durchsetzen lassen, wenn diese Vorschläge nicht durch DEMOKRATISCHEN DRUCK VON UNTEN unterstützt werden. Es ist nicht neu, daß fertige Gesetze so lange in Schubladen und Ausschüssen bleiben, bis sie mit genügend demokratischen Willen VERLANGT werden.
Darüber hinaus müssen wir uns von dem arroganten und wissenschaftlich nicht haltbaren Denken verabschieden, wir könnten heute schon planen, wie morgen alles sein soll. Wir können nichts weiter tun, als richtige Entwicklungstendenzen einleiten. Und das kann nur gehen MIT und DURCH die Menschen, niemals gegen sie. Letztlich können wir gar nichts anderes tun, als ihrer Demokratischen Kraft zu vertrauen. Es ist an der Zeit, das Weltwirtschaftssystem nicht nur durch Gesetze zu ergänzen, sondern es demokratisch zu regulieren.
Wenn schon...
dann sollen wenigstens die Menschen demokratisch ...über das Geld bestimmen
Es ist an der Zeit, sich in einer neuen Art und Weise über das alte Thema Geld Gedanken zu machen.
Entgegen oberflächlicher Betrachtungsweise bestehen enge Beziehungen zwischen den Herausforderungen der näheren Zukunft und unserem Wirtschafts- und Geldsystem.
In dramatischem Tempo ist nach dem noch vor wenigen Jahren dominanten Ost-West-Konflikt der Nord-Süd-Gegensatz in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Noch nie waren so viele Menschen auf der Flucht vor Krieg, Armut und Zerstörung. Die Konfliktherde sind häufiger und unberechenbarer geworden. Im letzten Jahr gab es mit 52 kriegerischen Konflikten so viele wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig nimmt die Zahl der atomwaffenbesitzenden Staaten zu. Die Kluft zwischen arm und reich weitet sich aus. Die Ökologische Zerstörung wächst dramatisch an, wovon wiederum die armen Länder am stärksten betroffen sind.
Der entscheidende Motor des wachsenden Nord-Süd-Gegensatzes und der zunehmenden Umweltzerstörung ist die wachstumsfixierte Weltwirtschaftsordnung, die vom Träger des Alternativen Nobelpreises Prof. Hans-Peter Dürr als "die wirksamste Massenvernichtungswaffe" bezeichnet wurde.
Im Sinne der Konfliktverhütung ist es erforderlich, sich dem Thema Weltwirtschaft und Geldwirtschaft zu stellen.
Um es vorweg zu sagen: Die heilige Kuh Marktwirtschaft muß nicht geschlachtet werden. Es könnte reichen, ihr eine neue Kreislauf-Therapie zu verordnen.
Wenn es um Geld geht, wird nur über die Spitze eines Eisberges diskutiert. Von Gewinn und Verlust redet man, über mehr nicht.
Dabei reden alle über Geld. In den meisten Berufen ist das die vorwiegende Tätigkeit. Da geht es um Kosten und Erträge, Bilanzen und Investitionen. Ausgefeilte Strategien zur Erzielung von Gewinnen sind Ziel und Zweck von Ausbildungen und Studiengängen. Da schämt man sich schon beinahe mit der Banalität der Frage: Geld, was ist das denn eigentlich?
Bitte hinterfragen Sie sich selbst. Wahrscheinlich wissen Sie eine Menge über Ausgaben und Einnahmen, Steuererklärungen mit Tips und Tricks. Was aber wissen Sie über die gesellschaftlichen und sozialen Funktionen, die das Geld ausübt? Wissen Sie, wie sich die Spielregeln des Geldes auf Menschen und Gesellschaften auswirken? Können Sie sich vorstellen, daß das Geld auch mit geänderten Spielregeln funktionieren könnte, als das heutzutage der Fall ist?
Möglicherweise haben Sie nie drüber nachgedacht, Geld ist halt Geld, ohne Geld geht es nicht, das ist so wie es ist, da läßt sich nichts dran ändern, nebenbei regiert es noch die Welt und verdirbt den Charakter, aber es ist halt Geld.
Dabei sind die Spielregeln unserer Geldwirtschaft mittlerweile bitterer Ernst geworden. Eine ganze Reihe konkreter gesellschaftlicher, nationaler und internationaler und zudem derzeit unlösbar scheinender Probleme hat ihre ganz wesentliche Ursache in den "Spiel"-Regeln des Geldes.
Ich möchte Sie bitten, sich über die folgenden, scheinbar banalen Fragen Gedanken zu machen:
- Wir leben in einem der reichsten Länder dieser Erde. Dennoch nehmen Armut und Arbeitslosigkeit zu. Warum?
- Wir könnten doch eigentlich schon seit Jahren zufrieden gewesen sein mit dem, was wir haben. Warum konnten wir uns nicht auf ein Nullwachstum einstellen, und uns mit dem Vorhandenen begnügen? Warum muß die Wirtschaftleistung denn dauernd wachsen?
- Stattdessen befinden wir uns in der paradoxen Situation, Jahr für Jahr mindestens 3% mehr produzieren zu müssen, um die Anzahl der Arbeitsplätze und den Lebensstandard überhaupt nur HALTEN zu können. Warum?
- Dauerndes Wirtschaftswachstum ist die größte Gefahr für die weltweite Umwelt, Weltwirtschaft ist zur Massenvernichtungswaffe in Sachen Natur geworden. Dennoch wird tagtäglich von allen führenden Wirtschaftsfachleuten betont, wir bräuchten Wachstum, Wachstum, Wachstum. Warum?
- Trotz jahrzehntelanger Entwicklungshilfe an die Länder der sogenannten Dritten Welt in der Einen Welt nimmt die Armut und die Kluft zwischen Arm und Reich weiter zu. Kriegerische Konflikte zwischen armen und reichen Ländern drohen. Warum?
Sie brauchen nicht zu befürchten, ich würde Ihnen am Ende dieses Textes DIE Lösung aller Weltprobleme anbieten. Dennoch werde ich Ihnen darlegen können, daß die genannten Krisenentwicklungen Ihre ganz wesentliche Ursache in den Regeln haben, mit denen wir mit Geld umgehen. Oder andersrum: Es ist illusorisch, die genannten Probleme auch nur annähernd in den Griff bekommen zu wollen, wenn nicht das Geldsystem auf eine andere Basis gestellt wird.
Wie ist das denn beispielsweise mit dem Zins. Eine gute Einrichtung: Man gibt sein Geld auf die Bank und hat ganz ohne Schweiß am Jahresende ein paar Prozent mehr. Getrübt wird die Freude, weil ein Großteil durch den alljährlichen Kaufkraftverlust/ Preissteigerungsrate wieder aufgefressen wird, aber immerhin.
Entgegen dem landläufigen Glauben ist der Zins NICHT dazu erfunden worden, um ohne Arbeit Geld zu verdienen. Ursprünglich dient er vor allem dazu, das Geld in Umlauf zu halten. Der Zins ist die Belohnung dafür, daß man seine Ersparnisse nicht zu Hause in meterdicken Tresoren hortet, sondern wieder über die Zwischenstufe Bank in Umlauf bringt. Und das muß belohnt werden. Denn keine Wirtschaft kann laufen, wenn das Geld nicht umläuft.
Somit erfüllte und erfüllt der Zins eine ganz wesentliche Bedingung für eine funktionierende Wirtschaft. Das ist die positive Wirkung des Zinses.
Nun hat aber der Zins eine ganze Reihe von NEBENWIRKUNGEN, ich will es mal in dem mir geläufigen Jargon ausdrücken. Mediziner sprechen heute mehr von UNERWÜNSCHTEN Wirkungen. Diese unerwünschten Wirkungen sind allerdings für einen kleinen Teil der Bevölkerung erwünscht. Nämlich für die, die sowieso schon viel Geld haben. Wenn ich also hier von unerwünschten Wirkungen des Zinses spreche, so tue ich das im demokratischen Sinne im Hinblick auf die große Mehrheit der am Geldsystem beteiligten.
Von nichts kommt nichts. Das gilt auch für Zinsguthaben. Die sind nicht irgendwo in den Banktresoren mit Hilfe raffinierter Dünger gewachsen, sondern wurden von anderen Menschen ERARBEITET. Denken Sie bitte daran, wenn Sie sich am Beginn des kommenden Jahres über die Gutschrift auf Ihrem Konto freuen. Das ist der prozentuale Niederschlag des Schweißes anderer.
Jetzt mache ich Ihnen auch noch den Ertrag Ihrer Ersparnisse schlecht. Sie werden aber sehen, daß sich gerade daraus völlig neue Perspektiven ergeben. Aber bleiben wir vorerst beim Zins. Er ist das wesentliche Umschichtungsinstrument von Arm nach Reich. Der Zins ist die Hauptursache für die banale, aber bisher wenig reflektierte Erkenntnis, daß immer mehr dazu kommt, wo schon viel ist.
Mir ist bewußt, daß ich Sie noch nicht ganz überzeugen konnte. Noch immer freuen Sie sich über den Zinsgewinn am Jahresende. Die paar Mark nützen Ihnen aber wenig. Denn alles in allem betrachtet verlieren Sie viel mehr am Zinssystem als Sie gewinnen, zumindest, wenn Sie nicht zur Kaste der Millionäre gehören.
Ich vermute, Ihnen ist nicht bekannt, daß in allem, was Sie kaufen, ob es sich um Waschmaschine, T-Shirt, Apfelsine oder Zahnbürste handelt, zu einem Drittel Zinskosten stecken.
Noch mal: Im Durchschnitt ein Drittel aller Preise zahlen Sie nicht für das Produkt, sondern dieser Anteil landet als Zinskosten bei den Banken. Aus dieser Perspektive betrachtet, sind die Paarmarkfünfzig am Jahresende tatsächlich ein ganz kläglicher Trost, um es milde auszudrücken.
Dabei haben wir es wirklich noch gut, ganz im Gegensatz zu den Armen Staaten dieser Welt. Von jeder Mark Entwicklungshilfe, die in diese Länder fließt, kommen 2 Mark zurück in die Reichen Staaten. Die Ursache: der Zins.
Der Zins führt außerdem dazu, daß die Geldguthaben bei den Zinsempfängern überproportional wachsen ("anlagesuchendes Kapital"). Hier kommen wir zum grundlegenden Dilemma des Westlichen Wirtschaftssystems. Die gewachsenen, "anlagesuchenden" Geldguthaben müssen wieder in Umlauf, sonst entsteht eine Wirtschaftsrezession durch Deflation. Wiedereinschleusung der Gelder führt aber zu weiterer Überschuldung und Verarmung. Diese wiederum kann nur aufgefangen werden, wenn das Bruttosozialprodukt weiter kräftig wächst. Dadurch aber treibt die Welt in die ökologische Katastrophe.
Wir haben sozusagen unter Fortführung unseres Wirtschaftssystems die Wahl zwischen sozialer Verelendung und zunehmender Armut oder ökologischem Holocaust. Mit Wahrscheinlichkeit endet die erste Möglichkeit in Bürgerkrieg, die zweite im Krieg um verknappende Rohstoffe. Die treibende Kraft: Die Spielregeln unseres Geldsystems, vor allem: die exponentielle Selbstvermehrung der Geldvermögen durch den Zins.
Wir haben es demnach beim Zins mit einem wirtschaftlichen "Aufputschmittel" zu tun, das unverzichtbar scheint, bei dem aber der erwünschten Wirkung eine wesentliche größere Anzahl von gefährlichen und bedrohlich anwachsenden Unerwünschten Wirkungen gegenüberstehen.
Die Kernfrage lautet: Ist ein Geldsystem denkbar, bei dem OHNE Zins das Geld in Umlauf gehalten werden kann? Wir suchen sozusagen eine neue Kreislauftherapie mit wesentlich reduzierten unerwünschten Wirkungen.
Sie existiert. Eine erste Version wurde in den 20er Jahren in Deutschland und in Österreich ("Das Wunder von Wörgl") erfolgreich getestet. Kaum war der Erfolg absehbar, wurde das Experiment durch massive Intervention der Administration gewaltsam beendet.
Das Grundkonzept geht zurück auf den Kaufmann Silvio Gesell und dessen NATÜRLICHE WIRTSCHAFTS-ORDNUNG. Gesell hat sich zunächst mit den Widersprüchen im System von Geld und Wirtschaft beschäftigt. Dabei ist ihm Folgendes aufgefallen:
Der Vater der liberalen Marktwirtschaft, Adam Smith, hat einen verhängnisvollen Fehler begangen: Er liegt in der Gewichtung der drei Produktionsfaktoren Boden, Kapital und Arbeit. Es stimmt zwar, daß diese drei Faktoren zur Produktion/Wertschöpfung allesamt erforderlich sind. Der Fehler ruht darin, allen drei Faktoren die gleiche Wertigkeit zuzuordnen. Boden allein schafft keine Werte. Kapital allein auch nicht (Haben Sie schon mal ein Markstück arbeiten sehen??). Der einzige der drei Faktoren, der wirklich Werte SCHAFFT, ist die Arbeit. Anders ausgedrückt: Der einzige Wertschöpfungsfaktor ist der Mensch. Insofern hat die menschliche Arbeit eine andere Qualität und Stellung im Wirtschaftssystem als die beiden anderen Faktoren. Die Arbeit ist sozusagen den anderen Faktoren übergeordnet. Heutzutage wird als vierter Faktor noch die Resourcen hinzugefügt, denen gebührt die gleich Stellung wie Boden und Kapital.
Durch die prinzipielle Gleichstellung von Boden, Kapital und Arbeit hat Smith bewirkt, daß die Gewinnerzielung allein durch Boden und/oder Kapital möglich gemacht wurde, also ohne selbst Arbeit zu leisten. Dadurch befinden wir uns in einer paradoxen Situation. Wir sagen, wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Gewinn werde durch Arbeit und Leistung erzielt. Das stimmt zwar für die Mehrzahl der Menschen. Aber gerade die größten Gewinne werden erzielt, ohne daß der Besitzer von Kapital und Boden einen Finger krumm machen muß.
Weitere Widersprüche liegen im Geld selbst:
Geld ist eine öffentliche Einrichtung. Gleichzeitig ist es aber persönliches Eigentum.
Geld ist ein universelles Tauschmittel und soll im Wert den getauschten Gütern entsprechen. Während aber die Güter ihren Wert mit der Zeit verlieren, behält das Geld seinen Wert. Ein Auto für 20.000 Mark ist nach 2 Jahren 14.000 Mark wert. 20.000 Mark auf der Bank sind nach 2 Jahren immer noch 20.000 Mark (oder sogar mehr).
Aus diesen und einer Reihe von weiteren Widersprüchlichkeiten hat Gesell den Vorschlag des NATÜRLICHEN Geldes erarbeitet. In diesem Konzept bekommt das Geld die Eigenschaften der Waren, nämlich, daß es mit der Zeit langsam an Wert verliert. Das klingt zunächst erschreckend. Ich darf aber nochmal oben anknüpfen: es geht darum, eine Möglichkeit zu finden, das Geld in Umlauf zu halten, ohne den Zins zu benötigen. Um dies zu erreichen, wird das Geld mit den Gütern und der Arbeit auf eine Stufe gestellt, indem beim Geld der heute bereits gegebene Annahmezwang durch einen Weitergabezwang ergänzt wird. Um beides zu erreichen, muß das Geld mit einer "Geldsteuer" verbunden werden, oder mit "Durchhaltekosten", wie das der wohl bedeutendste Wirtschaftstheoretiker dieses Jahrhundert , John Maynard Keynes, genannt hat. Von Keynes stammt übrigens die Aussage, daß die Welt von Silvio Gesell mehr lernen werde als von Karl Marx.
Wenn das Geld mit einer Steuer oder Gebühr belegt wird, ist jeder daran interessiert, sein Bargeld möglichst schnell wieder loszuwerden, d.h. wieder in Umlauf zu bringen. Eine solche Geldsteuer könnte beispielsweise 10% im Jahr betragen. Für die praktische Durchführung gibt es eine Reihe von Vorschlägen, die sich zumindest im kleineren Rahmen problemlos in die Praxis umsetzen lassen. Sparen ist natürlich trotzdem möglich. Sparguthaben sind von der Steuer befreit. Auf Sparguthaben gibt es dann keine Zinsen. Dafür sind aber auch die Kredite zinslos.
Für den bundesdeutschen Bürger klingt es zunächst bedrohlich, auf das Bargeld eine Steuer zahlen zu müssen und auf das Sparguthaben keine Zinsen mehr zu bekommen.
Aber: die Vorteile überwiegen bei weitem. Sie können dann sicher sein, daß 10.000 Mark auf dem Sparkonto in 10 Jahren noch immer 10.000 Wert sind. Wenn Sie heutzutage 300.000 Mark Schulden machen für ein Haus, zahlen Sie in den nächsten 20 Jahren etwa 700.000 Mark an die Bank zurück. Mit dem neuen System zahlen Sie genau wieder 300.000 zurück. Wenn Sie irgendein Produkt im Laden kaufen, zahlen Sie nur noch das Produkt, anstatt ein Drittel Zinskosten. Der Zins als Umschichtungsinstrument von Arm nach Reich würde entfallen. Arbeit würde gerecht belohnt, nicht aber Besitz von Boden oder Kapital ohne Erbringung von Leistung. Es wäre das Ende des Wachstumszwangs und gleichzeitig die Befreiung der Marktwirtschaft vom Kapitalismus.
Genau aus dem letztgenannten Grunde wird die Durchsetzung der neuen Spielregeln des Geldes nicht einfach sein. Selbst John Maynard Keynes war Ende der 40er Jahre mit seinem Vorschlag, das Konzept der "Durchhaltekosten" in die Arbeit von IWF und Weltbank zu integrieren, am Widerstand der Großbanken gescheitert. Aber in der heutigen Situation bestehen gute Chancen, daß sich die Demokratie gegen die Geld-Macht durchsetzen kann. Die dramatische Tendenz der nationalen, internationalen und ökologischen Probleme zeigt und unterstützt die Dringlichkeit.
Dies ist NICHT die Lösung aller Weltprobleme. Zudem ist die genannte Konzeption sicher nur EINE von mehreren Denkbaren. Aber das Geld ist Motor und Nerv unserer Gesellschaft. Hier wurden Vorschläge aufgeführt, die zu einer Minderung der Unerwünschten Wirkungen des Geldsystems führen. Ohne eine Reformierung des Finanzsystems als gesellschaftliche Basis sind alle anderen Maßnahmen Stückwerk und Kosmetik.
Wenn schon Geld die Welt regiert, dann sollen Menschen demokratisch über das Geld bestimmen, anstatt das Geld über Natur und Mensch.
ist eine kreislaufstimulierende Droge mit hohem Suchtrisiko und bedrohlichen Nebenwirkungen
IPPNW-Themen in "DAS GELDSYNDROM" von Helmut Creutz
Der 1990 von mehreren Seiten für den alternativen Nobelpreis vorgeschlagene Aachener Helmut Creutz hat auf 450 Seiten die wesentlichen Ergebnisse von 12 Jahren Arbeit zum Thema "Geldsystem und dessen Auswirkungen auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Enwicklungen" zusammengefaßt. Erfreulicherweise sind die teilweise recht komplizierten Zusammenhänge gut verständlich dargestellt. Der Autor, Jahrgang 1923, war fast 40 Jahre Wirtschaftspraktiker in deutschen und russischen Fabriken, hat außerdem als Architekt und Schriftsteller gearbeitet sowie einen Lehrauftrag an der Universität Kassel gehabt.
Bei der Bewertung des Buches "Das Geldsyndrom" will ich nicht unzulässig verallgemeinern, sondern meine ganz persönliche Meinung sagen: Ein Meisterwerk, was die Darstellung von Zusammenhängen anbelangt, beim Lesen fällt ein Groschen nach dem anderen.
Im Folgenden beschränke ich mich auf die Themen, die unmittelbar mit den friedenspolitischen Themen der IPPNW zu tun haben. Das sind die Themen Rüstung, Krieg, Naturzerstörung, Atomenergie, Armut und Unterentwicklung. Sie werden die altbekannten Themen danach in einem völlig anderen Licht sehen.
Die Schlüsselworte zum Verständnis der Zusammenhänge lauten: Wachstumszwang, Vermehrung der Geldguthaben, Zins, Geldumlauf. Das hört sich zunächst trocken an, ändert sich aber umgehend. Denn weiter unten wird deutlich, daß genau diese Begriffe Antworten liefern zu den folgenden Fragen:
1. Warum wird so irrational viel Geld in die Rüstung gesteckt?
2. Warum ist die sogenannte Dritte Welt so hoch verschuldet?
3. Warum wird viel lieber in Atomenergie investiert als in regenerative Energien?
4. Warum wird durch den Wirtschaftsprozeß immer mehr Natur zerstört?
5. Welchen Vorteil bringt Krieg, über den Profit Einzelner hinaus?
Beginnen wir mit der Rüstung: Der Rüstungswettlauf läßt sich NICHT HAUPTSÄCHLICH mit psychopathologischen Strukturen erklären, sondern, im Gegenteil, beruht auf ganz vernünftigen Notwendigkeiten, die in unseren "Spielregeln des Geldes" begründet liegen. Und das erklärt sich so:
Ein Wirtschaftssystem funktioniert nur dann, wenn das allgemeine Tauschmittel (genannt: Geld) umläuft. Wenn das Geld irgendwo gehortet wird, kommt der Wirtschaftsprozeß zumindest in Teilbereichen zum Erliegen, mit entsprechenden Folgen.
Das Mittel, mit dessen Hilfe in unserem Geldsystem der Geldumlauf gesichert wird, ist der ZINS.
Der Zins ist nicht etwa primär dazu da, die Ersparnisse zu vermehren, sondern hat den ursprünglichen Zweck, das Geld in Umlauf zu halten. Einfach ausgedrückt: Wenn es keinen Zins gäbe, würde man das Ersparte nicht zur Bank und damit wieder in den Wirtschaftskreislauf geben, sondern es zu Hause in Tresoren horten.
Neben dieser erwünschten Wirkung hat der Zins aber eine ganze Reihe von "unerwünschten" Wirkungen, die im Buch von H.Creutz in aller Ausführlichkeit dargestellt sind. Die entscheidende Nebenwirkung des Zinses für unsere Fragestellungen ist, daß der Zins die Hauptursache für die VERMEHRUNG DER GELDGUTHABEN ist. Geldguthaben ist im Gegensatz zum (Bar)geld das sogenannte "Buchgeld" bei den Banken. Bitte halten Sie das zunächst als Fakt fest, auf Einzelheiten möchte ich hier verzichten. Jedenfalls: Zins und Zinseszins bewirken eine überproportionale Erhöhung der Geldguthaben . Ursprünglich war das mit dem Geld so gedacht, daß die Geldmenge der dazugehörigen Menge von Waren und Dienstleistungen entspricht. Die Geldguthaben und im Gleichschritt dazu die Verschuldungen können unabhängig von der Wirtschaftsleistung viel schneller zunehmen als die
(Bar-)Geldmenge, und das ist seit langem in unserem Wirtschaftssystem der Fall. Mittlerweile sind die Geldguthaben beispielsweise in Deutschland etwa 20-30x höher als die Geldmenge, während das Verhältnis in den 50er Jahren noch 8:1 war!
Somit ist insgesamt , lapidar gesprochen, VIEL ZUVIEL GELD vorhanden . Exakter muß es heißen: es gibt zu viel und vor allem zu große Zusammenballungen von Geldguthaben.
Üblicherweise werden Geldguthaben von den Banken als Kredite vergeben, daher nennt man die Geldguthaben auch "anlagesuchendes Kapital".
Und hier steckt das Dilemma und die Gefahr im Wirtschaftssystem. Wo zuviel Geldguthaben zur Verfügung steht, würden nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage die Zinsen fallen. Wenn aber die Zinsen unter einen gewissen Wert (derzeit 5-6%) fallen, droht eine DEFLATIONSKRISE, und davor haben Wirtschaftler fast noch mehr Angst als vor der Inflation. In der Deflation kommt nämlich der Handel zum Erliegen und der wirtschaftliche Zusammenbruch droht. Auch hier verzichte ich wieder auf Einzelheiten.
Also: Kritisch wird es, wenn zuviel Geldguthaben da ist, und das ist schon seit vielen Jahren der Fall. Die Konsequenz war und ist: das überschüssige Geldguthaben muß verringert werden, und das geht am besten mit Großkrediten, die in aller Regel vom Staat bei den Banken angefragt werden.
Zu diesem Zweck ideal ist die Rüstungsproduktion: Gigantische Kredite werden vergeben für die Waffenproduktion, damit sind vorerst die zinsdrückenden Einkommensüberschüsse verringert. Nach wenigen Jahren sind die Waffensysteme veraltet, werden durch neuere, modernere, teurere Systeme ersetzt, für die noch mehr Kredite vergeben werden können. Mit diesen Maßnahmen können die Zinsen stabil gehalten werden und die Deflationskrise vermieden. Wenn die Waffen schnell und effektiv in Kriegen zerstört werden, ist es noch besser, umso mehr Kredite werden gebraucht.
Nach dem selben Prinzip geht das bei Großtechnologien wie der Kernernergie, für die über Jahre und Jahrzehnte riesige Kreditvolumina benötigt werden. Auch diese Kredite verringern das "anlagesuchende Kapital" und mindern die Gefahr einer deflationären Entwicklung.
Zur Überschuldung des Südens: Richtig los ging es damit in den 70er Jahren, und das nicht ohne Grund. Der westliche Geldmarkt wurde nach der Ölkrise von den sogenannten Petro-Dollars überschwemmt: Somit war in kürzester Zeit viel zuviel Geldguthaben auf dem Markt. Daraufhin wurden Kredithändler zu Tausenden in die unterentwickelte Welt geschickt, um dort (oft unter dem Deckmäntelchen der Entwicklungshilfe) günstige Kredite anzubieten. Diese wurden wegen der zunächst günstigen Konditionen auch überall angenommen, und gleichzeitig ließ sich so die Zinshöhe im westlichen Wirtschaftskreislauf stabilisieren. Man kann also behaupten: Die Verschuldung des Südens hat den Norden vor der Wirtschaftskrise bewahrt, und zwar nach dem Prinzip: Vermeidung deflationärer Krisen der reichen Länder durch Verminderung des überschüssigen Geldguthabens durch Kreditvergabe.
Nun hat dieses Prinzip einen entscheidenden Nachteil: es wirkt nur zeitlich begrenzt. Denn die Kredite werden ja samt Zinsen nach und nach zurückgezahlt, so daß sich das ursprüngliche Problem der hohen Geldguthaben wieder einstellt. Abwenden läßt sich das dann nur durch neue, höhere Kredite, ein Teufelskreis. Am Beispiel des Südens: die internationalen Kreditgeber haben gar kein Interesse daran, daß die Kredite schnell zurückgezahlt werden. Günstiger ist für die reichen Volkswirtschaften eine bestehenbleibende Überschuldung des Südens mit möglichst langsamer Rückzahlung.
Es besteht aber auch kein Interesse daran, die Schulden zu erlassen. Dann müßten die Banken befürchten, dieses Beispiel könne Schule machen, es würden auch anderswo keine Zinsen mehr zurückgezahlt, wodurch die Banken durch ihre Einleger/Sparer unter Druck geraten würden. Aus dem gleichen Grund kann man auch die überschüssigen Geldguthaben nicht einfach "zerreißen", dann müßte man den Sparern nämlich sagen, daß ein Teil des Ihnen zustehenden Geldes nicht mehr da ist.
Soweit: durch den Zins kommt es zu überschießenden Wachstum und Zusammenballung der Geldguthaben, überschüssiges Geldguthaben muß durch Kreditvergabe verringert werden, Rückzahlung von Geld und Zinsen erfordert die Vergabe von NEUEN UND HÖHEREN KREDITEN.
Und damit hätten wir auch die wichtigste Erklärung für den WACHSTUMSZWANG der Wirtschaft: Das zinsbedingte, überproportionale Wachstum von Geldguthaben und deren Zusammenballung zwingen zu überproportional anwachsender Verschuldung, nur so kann eine Deflation vermieden werden. Diese Überschuldungen wiederum zwingen -wenn sie nicht zur Verarmung der Arbeitleistenden führen sollen- zu dem umweltzerstörenden Wachstumszwang.
Praktisch sieht das so aus: Lebensstandard, Realeinkommen und Arbeitslosenzahl kann nur dann GEHALTEN werden, wenn das Bruttosozialprodukt 2-3% im Jahr wächst. Gerade vor wenigen Tagen hieß es in den Nachrichten, für 1994 würde 1,5% Wachstum erwartet, aber die Arbeitslosenzahl würde trotzdem steigen.
Dieser Wachstumszwang wiederum kollidiert mit der Ökologie. Auf einer begrenzten Erde kann es nun mal kein unbegrenztes Wachstum geben.
Alles in allem haben wir bei Aufrechterhaltung unseres jetzigen Geldsystems, bei dem der Geldumlauf durch den Zins gesichert wird, zwei Alternativen:
Entweder es wird versucht, mit allen Mitteln die Produktion weiter zu steigern: dann kommt die Ökologische Katastrophe.
Oder, wenn sich die Produktion nicht weiter steigern läßt: dann kommt Verarmung und Massenarbeitslosigkeit.
Die Folgen beider Wege heißen dann Krieg oder Bürgerkrieg.
Wenn Helmut Creutz mit seiner Analyse recht hat, und eine ganz wesentliche Ursache der aktuellen, weltweiten Krisenentwicklungen das auf dem Zinsprinzip basierende Geldsystem ist, dann muß in dieser Richtung gedacht und gehandelt werden.
Lösungsansatz wäre also: Wir brauchen ein Geldsystem, bei dem der Geldumlauf auch ohne Zinsen oder zumindest mit sehr niedrigen Zinsen funktioniert. Modelle und Projekte dieser Art gibt es und wurden in lokalem Rahmen bereits in den 30er Jahren beispielsweise in der österreichischen Gemeinde Wörgl ERFOLGREICH praktiziert ("Das Wunder von Wörgl"), bis sie von der Finanzhoheit verboten wurden (!!). Näheres dazu und zu weiteren Ideen finden Sie im letzten Kapitel von "Das Geldsyndrom".
Das abschließende Zitat ist nicht aus dem Buch von Helmut Creutz, aber es paßt:
"Die Schulden fressen den Kommunismus. Den Kapitalismus auch, die Marktwirtschaftsländer fressen sie ebenso, vor allem die Länder der Dritten Welt. Es geht nicht mehr ohne Geldabschöpfung, vor allem in den östlichen Ländern. Große Aufgaben gilt es im Bereich der Geldzirkulation zu lösen, ohne sie kann kein neuer Wirtschaftsmechanismus geschaffen werden." (Michael Gorbatschow)
Titelvorschlag für weitere Aktionen:
...steht GLOBAL für:
Wer produziert Waffen?
Wer finanziert Waffenproduktion?
Wer benutzt Geld zur Unterdrückung?
Wie sind die Zusammenhänge zwischen den gültigen Regeln unseres Finanzsystems und Rüstung, Krieg und Umweltzerstörung?
Wird der Dritte Weltkrieg bereits geführt, mit Zinsen?
Muß Geld Umwelt zerstören?
Ist unsere Weltwirtschaft der Holocaust für das Biotop Erde?
Welchen Beitrag leistet jeder einzelne zur Bewaffnung durch Geld?
...steht LOKAL für:
Wer produziert Rüstung?
Welche Banken finanzieren Rüstung?
Wer profitiert von Rüstung und Krieg?
Wer verdient an sinnloser Naturzerstörung?
...steht PERSÖNLICH für:
Weiß ich, was mit meinem Geld gemacht wird?
Will ich wissen, was mit meinem Geld gemacht wird?
Wie wirken sich Geldwirtschaft, Rüstungsproduktion und Umweltzerstörung auf das eigene Leben aus?
Machen Sie sich doch nichts vor. Sie tun es doch hauptsächlich für sich. Gegen Ende des Jahres, bei nahenden Weihnachten und drohender Steuererklärung, da fällt es Ihnen wieder ein. Das ganze Jahr über waren Sie schon etwas abgestumpft. Sie hätten es auch gar nicht ertragen können, all das Grauen in Tagesschauen in seiner ganzen Tragödie und Tragweite zu erfassen. Wäre dem so gewesen, Sie hätten Sich beschissen gefühlt. Denn ganz tief drin im Hinterstübchen dessen, was man landläufig Gewissen nennt, da hätte so eine Ahnung kommen können. Ganz diffus und neblig, wie ein entferntes, trübes Phantom, mit schwachen Signalen, die hätten als Winke verstanden werden können, daß Sie mit dem Leiden doch etwas zu tun haben könnten.
Doch Weihnachten und Steuererklärung kamen noch eben rechtzeitig, alljährlich. Man fühlt sich so gut und gereinigt, eine Last fällt ab, beim Ausfüllen der dezemberlichen Überweisung. Und das Finanzamt im Nacken, da darf es noch ein wenig mehr sein. Danach dann, ganz ruhig werden, flaschenbierig zurücklehnen vor dem Fernsehen, die Unannehmlichkeit weggezappt, Wetten daß.
Sie sind mir jetzt böse, weil ich Sie beschimpfe. Da hätten wir es wieder, da gibt man was ab, man verzichtet, ganz als guter Christ, für humanitäre Hilfe, und das nun als Dank. Ich aber sage Ihnen, lassen Sie die spendable Selbstbeweihräucherung, da ist kein Himmelsportal, welches die als Eintrittkarte akzeptiert.
Anderes Geld statt Brot für die Welt, so heißt die Devise.
Haben Sie schon mal dran gedacht, anstatt mit kurzsichtigen Almosen gequälte Menschen noch abhängiger zu machen, stattdessen als Alternative zur Spende auf Zinsen zu verzichten?
Was? Sie wissen nicht, was das soll? Dann lesen Sie hier bitte nicht weiter, denn Sie könnten etwas dazulernen.
Sie schicken ein paar Mark nach Äthiopien, aber ein paar tausend liegen auf der Bank. Apropos, haben Sie jemals ein Markstück arbeiten sehen? Jedenfalls, was ist denn das für eine gigantische Selbstverarschung: Ein ganz kleines Bißchen helfen Ihre Märker in Äthiopien schon, falls Sie ankommen. Währenddessen führen Ihre Tausendmärker Krieg in Fernen Ländern, bauen neue Atomkraftwerke nicht weit von Tschernobyl, mit Ihren Scheinen werden arme Länder in Schuldenfallen gelockt, mit Ihrem Geld bringt man Afrikanern bei, Baumwolle anzupflanzen, die man nicht essen kann. Mit Ihrem Ersparten zwingt die Weltbank der Zweidrittelwelt ein riskantes Spiel auf, dessen Spielregeln von den großen, reichen Sieben gemacht werden. Mit dem Geld Ihrer Bank werden Diktatoren hochgehalten, die als Mittel der Macht den Hunger nutzen. Mit Ihrem Wunsch nach hohen Zinsen wird der Mechanismus aufrechterhalten, der den Zwang zum Wachstum und zur Umweltzerstörung religionsgleich gemacht hat. Sie wollten nie wissen, was mit Ihrem Geld gemacht wird. Damit waren Sie immer unwissend und blauäugig daran beteiligt, die Reichen reicher und die Armen hungriger zu machen. Und wenn es wirklich hart auf hart kommt, zu welcher der beiden Gruppen gehören Sie dann?
Und falls Sie noch nicht wissen, daß es sehr wohl Möglichkeiten gibt, selbst zu entscheiden, was mit Ihrem Geld passiert, dann wird es verdammt Zeit, daß Sie sich informieren.
Erst dann können Sie länger beruhigt sein als von Weihnachten bis zur Steuererklärung. Aber eben doch nicht ganz, denn mit Demokratischem Geld, da geht es erst richtig los.
Und wenn Sie dann irgendwann einmal Alles so eingerichtet haben, daß Sie ganz sicher sein können, daß mit Ihrem Geld kein gefährlicher und menschenverachtender Mist gemacht wird, dann brechen neue Zeiten für Sie an.
Und wenn Sie dann gewiß sind, daß mit Hilfe Ihres Geldes keine neuen Atomkraftwerke in der GUS gebaut werden, dann können Sie zusätzlich und aus vollem Herzen Geld für tschernobyl-geschädigte Kinder spenden, glaubwürdig. Und Ihre Spende fürs Rote Kreuz in Bosnien macht sehr viel gesünder, wenn der Rest Ihres Geldes nicht die Waffen liefert.
in Jena vom 27.-29.5.94
Arbeitskreis Nr. 4:
Arbeitskreisleitung:
Prof. Hans See, Politikwissenschaftler, Sozialwissenschaftler und Wirtschaftskriminologe, Fachhochschule Frankfurt
Wilfried Deiß, IPPNW
Zusammenfassung der Ergebnisse des Arbeitskreises:
Unsere Titelfrage lautet: Kann Geld demokratisch kontrolliert werden ? Um die Antwort vorwegzunehmen: Es gibt zumindest Ansatzmöglichkeiten, die Abläufe von Geldwirtschaft und Weltwirtschaft demokratisch zu beeinflussen.
Zunächst vermittelt Prof. See den Teilnehmern des Arbeitskreises fundierte Hintergrundinformationen über Geldwirtschaft, Rüstungswirtschaft und Zerstörung. Erkenntnis daraus: Derzeit bestehen nahezu keine demokratischen Kontrollmöglichkeiten für Abläufe im Wirtschaftssystem. Zudem, und darauf weißt Prof. See mit besonderer Betonung hin, läuft ein Großteil der Wirtschaftsprozesse außerhalb der Legalität und ist somit erst recht der Kontrolle entzogen.
Nächster Schritt: Ideensammlung
WIE KÖNNTEN DEMOKRATISCHE PRINZIPIEN IN DIE WIRTSCHAFT EINGEFÜHRT WERDEN?
Dazu sind uns 5 konkrete Punkte eingefallen:
1. Durch ein bewußteres Kaufverhalten der Verbraucher
2. Durch organisierte Boykottmaßnahmen (wie z.B. den Siemens-Boykott der IPPNW)
3. Durch die Möglichkeit, bei bestimmten Geldinstituten über die Verwendung von Geldanlagen mitzubestimmen (z.B. Ökobank, GLS-Bank; siehe auch Diskussion um 'Gelddemokratie' im IPPNW-Forum)
4. Durch Aufstellen der Forderung nach Mitbestimmung bei der Verwendung von Steuergeldern. Beispiel: Wir fordern, daß 30% der Steuern nach einer demokratischen Entscheidung der Steuerzahler bestimmten Verwendungen zugeteilt werden.
5. Durch Maßnahmen nach dem Muster der "Kritischen Aktionäre", die als Kleinaktionäre ein Mitspracherecht in den Aktionärsversammlungen von Großkonzernen erlangen
Zusätzlich weißt Prof. See darauf hin, daß solche Maßnahmen nur dann sinnvoll und wirksam sein können, wenn parallel dazu entschiedene Schritte zur Reduzierung der Wirtschaftskriminalität eingeleitet werden.
Die Arbeitsgruppe ist sich bei der Diskussion bewußt, daß all diese Maßnahmen noch längst keine Umwälzungen bedeuten. Auf jeden Fall aber richten sie das Interesse auf die engen und bisher vernachlässigten Zusammenhänge zwischen Nord-Süd-Konflikt, Kriegsgefahr und UNSEREM Wirtschaftssystem und liefern gleichzeitig Ansatzpunkte für persönliches Handeln.
Wir meinen: Zur Zeit kann Geld (oder richtiger: Kapital) nur in sehr geringem Umfang demokratisch kontrolliert werden. Aber genau das muß sich ändern als Voraussetzung zur Verhütung künftiger Kriege. Und letztlich verdient ein Staat nur dann die Bezeichnung Demokratie, wenn die Wirtschaft in die demokratischen Prozesse eingebunden ist.
Aus der Einleitung von Wilfried Deiß:
Ich begrüße Sie recht herzlich in unserem Arbeitskreis zum Thema Kriegerische Zerstörung, Geld und Demokratie. Ganz besonders begrüße ich Herrn Prof. Hans See. Herr See ist Wirtschaftskriminologe und Politologe an der Universität Frankfurt und Autor des Buches "Kapital-Verbrechen", in dem die Thematik Demokratie eine ganz wesentliche Rolle spielt.
In der Arbeit der IPPNW der letzten Jahre ist eine Tendenz erkennbar. Es geht mehr und mehr um Wirtschaftsthemen und damit um die Verwendung von Geld und Kapital.
Die IPPNW-Aktion, die zuletzt am meisten öffentliches Aufsehen erregte, ist der SIEMENS-BOYKOTT, eine Variation des Themas Wirtschaft und Demokratie.
Auch unser Tagungs-Thema Süd-Nord-Konflikt ist zu einem zentralen IPPNW-Anliegen geworden, und hängt aufs engste mit wirtschaftlichen Fragen zusammen.
Diese Tendenz zu den Wirtschaftsfragen ist kein Zufall:
Ich zitiere Bernhard Lown, den ehemaligen Weltvorsitzenden der IPPNW mit einer Aussage vom Internationalen IPPNW-Kongreß in Mexico 1993:
"....wird es künftig kaum mehr möglich sein, (Atom)-Kriege zu verhindern, wenn wir nicht an der derzeitigen Weltwirtschaftsordnung rütteln."
Außerdem ein Zitat von Till Bastian aus der Studie 'Was Kriegverhütung heute bedeutet', ebenfalls aus dem Jahr 1993:
"Wollen wir den Atomkrieg verhindern, müssen wir jedem Krieg entgegenwirken. Ohne Bezug auf die derzeitige Weltwirtschaftsordnung und die ihr inhärente Natur- und Menschenzerstörung dürften wir dieser Aufgabe kaum gerecht werden."
Referat von Prof. Hans See:
Kriegskredite oder:
Kann Geld demokratisch kontrolliert werden?
Methodische Vorbemerkung
Das Thema enthält zwei zunächst voneinander unabhängige Fragen. Die Frage nach den Kriegskrediten reichte allein aus, mehrere Bände zu füllen, ohne auch nur ein Wort über Demokratie zu verlieren. Denn Kriegskredite bzw. Kriegsanleihen durch Staaten gab es auch schon in vordemokratischen Zeiten. Und es gibt sie heute in nicht demokratisch verfaßten Gesellschaften. Hier aber soll das Problem der Kriegskredite mit dem Problem der demokratischen Kontrolle von Geld und Kredit verbunden werden und die daraus sich ergebenden Probleme für demokratische Gesellschaften diskutiert werden.
Das bedeutet, daß im Zentrum der Analyse der Frage nach Kriegskrediten und demokratischer Geldkontrolle kapitalistische Gesellschaften mit demokratischen Verfassungen stehen. Man muß dabei bedenken, daß die demokratisch verfaßten kapitalistischen Staaten in einem von diesen selbst geschützten und sie überlagernden kapitalistischen Wirtschaftssystem existieren. Dieses staatenüberlagernde System schließt mit seinem spezifisch politischen Demokratiebegriff die demokratische Kontrolle der privaten Wirtschaftsmacht (zum Beispiel der für das Kreditwesen so wichtigen Banken) weitgehend aus, ja es denunziert und verfolgt sogar diejenigen Kräfte der Gesellschaft als demokratiefeindlich, die neben der weiteren Demokratisierung des Staates auch die der Wirtschaft verlangen. Außerdem muß bedacht werden, daß die kapitalistische Weltwirtschaftsordnung (wie sich im Faschismus zeigte) durchaus auch ohne Demokratie, unter Umständen sogar gegen sie aufrechterhalten werden kann, womit allein schon die begrenzten Möglichkeiten einer demokratischen Kontrolle des als Kapital fungierenden Geldes deutlich werden. Aber auf das als Kapital anzulegende Geld kommt es an, wenn man über die demokratische Kontrolle des Geldes die Kriegsgefahren vermindern, die Überschuldung ganzer Kontinente (die den Nord-Süd-Konflikt extrem verschärfen) und die Zerstörung des Ökologischen Gleichgewichts auf unserem Planeten vermindern oder gar verhindern will.
Sechs Thesen (die sich nicht auf das gesamte Kreditvolumen, sondern nur auf Kriegskredite und Kriegsanleihen beziehen - also exemplarisch das Problem der demokratischen Kontrolle von Kapital andeuten).
1.
Die Zeiten der offenen kolonialistische oder imperialistischen Kriege, die eine besondere Erwerbs- und Bereicherungsform der Mächtigen waren, sind offiziell vorbei. Somit gilt auch Krieg nicht mehr offiziell als Quelle der gewaltsamen Bereicherung. Aber wie die Eroberungskriege sind auch die heutigen "Friedenskriege" und Verteidigungskriege auf Sieg und Durchsetzung der Interessen der Sieger im besiegten Land angelegt. Es geht dabei um politische Einfluß- und wirtschaftliche Anlagesphären für das weltweit nach Anlage, nach Rohstoffen, Arbeitskräften und Märkten suchende Kapital. Auch diese Kriege sind in der Regel nicht allein aus den normalen Steuern der Bürger finanzierbar. Es reichen auch nicht zusätzliche staatliche Kreditaufnahmen bei privaten Banken. Die Staaten sind im Kriegsfall immer auf zusätzliche Mittel angewiesen, gleichgültig, wie man diese zusätzlichen Mittel nennt. Meist sind es Kriegskredite bzw. Staatsanleihen für Rüstung oder Kriegsführung und können daher als eine Sonderform von Krediten betrachtet werden. Hier nun spielen die demokratisch nicht kontrollierten Banken eine Rolle, die teilweise selbst Aktionäre in der Rüstungswirtschaft sind. Sie bieten ihren Kunden gern auch besondere Chancen privater Bereicherung durch Kriege. Die Gewinnchancen durch Kriegsanleihen können zu einem durchaus selbständigen Kriegsmotiv werden. Der zu erwartende Gewinn kann natürlich nicht primär aus der Waffen- und sonstigen Kriegsgüterproduktion gezogen werden. Primär fließt der Gewinn entweder aus inländischer Umverteilung (Steuerbelastungen, Geldentwertung) oder - im Falle des konkreten Krieges - aus dessen Destruktivkraft, die den Absatz und Umsatz der Produkte (vergleichbar den Totalschäden bei Autounfällen) extrem beschleunigt. Kriegsgefahr und Krieg sichern ständig die Nachfrage. Anschlußaufträge sind stets gesichert. Die Rüstungswirtschaft hat nicht einmal besondere Werbung nötig, allenfalls schmälern große Bestechungssummen für Politiker ihre Gewinne. Man erinnere sich an Lockheed. Aber reale Gegenwerte produzieren diese Waffen (im Gegensatz zu Maschinen für zivile Produktion) nicht. Der Gegenwert kann also nur aus den Taschen des eigenen Volkes oder des besiegten Landes, aus der errungenen Beute und der Ausbeutung der besiegten Bevölkerung bezahlt werden. Ein Krieg auf Kredit ist also ein Krieg, der mittels Zerstörung Gewinn erzielen soll, und dies mit dem Vorschuß derer, die Geld rentabel anlegen wollen. Siege begründen daher oft gewaltige Forderungen nach Reparationen, die im Siegerland gut verzinste Kreditrückzahlungen ermöglichen, und aus denen darüberhinaus billiges und spekulatives Gründerkapital geschöpft werden kann.
2.
Kriege sind in der Regel staatliche Kriege. Das liegt am staatlichen Gewaltmonopol. Privatkriege sind Bürgerkriege. Bei diesen kämpfen verfeindete soziale Klassen einer Gesellschaft mit Waffengewalt um das Gewaltmonopol im eigenen Staat. Oder - wie das bei den bewaffneten Kämpfen mafioser Gruppen der Fall ist - um Einfluß oder Einflußzonen im Staat, in Regionen oder in Städten und Gemeinden. Solche Privatkriege dienen auch der Gewinnerzielung, werden aber mit den meist kriminell erworbenen Vermögen der um die Macht ringenden Eliten und durch täglichen Raub finanziert. Staatliche Rüstung und Staatskriege zur Erzielung von privaten Gewinnen müssen dagegen legal - in der Regel über Banken - vorfinanziert werden. Rüstungs- und Kriegsfinanzierung schöpft aus verschiedenen Quellen:
A) aus Steuereinnahmen, b) aus Kriegskrediten bzw. Staatsanleihen (Kriegsanleihen), sozusagen Kriegsaktien, und c) aus eigenmächtiger Geldschöpfung, also Ingangsetzung der Druckerpresse.
Daß Staaten in Kriegszeiten häufiger als sonst die Notenpresse in Gang setzen, führt zwangsläufig zur Inflation, zur allgemeinen Geldentwertung durch überdimensionale Teuerung. Inflation ist die Methode, mittels derer der Staat seiner Bevölkerung nahezu unbemerkt einen Großteil ihres Einkommens aus der Tasche ziehen kann. Sie ist staatlich geduldeter oder gewollter Diebstahl am Volksvermögen, meistens am Ersparten der sog. "kleinen Leute". Kreditnehmer werden dagegen - wenn keine besonderen Maßnahmen dagegen getroffen werden - durch Inflation entschuldet, also reich. Denn die Schulden werden - wie die Ersparnisse - durch Inflation entwertet, werden geringer.
3.
Kriegskredite führen zur Bereicherung der Banken und der Rüstungswirtschaft, also vor allem der Rüstungsaktionäre. Zur Rüstungsindustrie gehören nicht nur Waffenschmieden wie vormals Krupp, heute Daimler Benz (Dornier), sondern auch Chemiekonzerne und sogar Textilindustrien. Die Waffen und sonstigen Kriegsmaterialien werden vom Staat in großen Massen gekauft und mit Steuergeldern oder Krediten bezahlt. An den Krediten verdienen diejenigen, die Geld genug zu haben glauben, es zu verleihen oder anzulegen. Der Staat ist Einkaufmonopolist. Die Rüstungswirtschaft ist ebenfalls hochgradig monopolistisch strukturiert. Wenige Großkonzerne sind im Geschäft, allerdings gibt es zahlreiche mittelständische Zulieferanten für die große Rüstungswirtschaft. Wenige Firmen sind in der Lage, Staatsaufträge großen Stils (z.B. Bau von Kampfflugzeugen) durchzuführen. Daraus ergeben sich Monopolpreise und Monopolgewinne für die Rüstungswirtschaft. Es bestehen im Rüstungssektor keine Marktstrukturen, es gibt keine Preiskonkurrenz, und auch demokratische Kontrollen sind, falls sie ansatzweise existieren - zumal in Kriegszeiten und im Bereich der Rüstung - in der Regel nicht vorhanden. Was als militärisch-industrieller Komplex bezeichnet wird, ist in Verbindung mit der Bankenmacht, die die Geldströme lenkt und die Politik maßgeblich beeinflußt, ein Kriegfaktor. Er könnte nur durch Demokratisierung, durch Transparenz und öffentliche, sprich demokratische Kontrolle entschärft werden.
4.
Es besteht auch die Gefahr der demokratischen Zustimmung zu abenteuerlicher Kriegspolitik. Das Arbeitsplatzargument, das "Gespenst" der ausländischen Konkurrenz, das in Wirklichkeit oftmals selbstgemacht ist, weil hinter dieser Konkurrenz die im Ausland gegründeten Filialen der Firmen aud dem eigenen Land steckt oder die Kapitalanleger des eigenen Landes. An vielen ausländischen Firmen sind längst deutsche Kapitalanleger im großen Maßstab beteiligt. Der in Krisenzeiten auflebende Nationalismus könnte in demokratischen Staaten auch Kriegspolitik mit breiter Zustimmung der Massen betreiben. Demokratie als formale Zustimmung von Mehrheiten zur Staatspolitik verstanden, garantiert demzufolge keinen Frieden. Dazu muß Demokratie inhaltlich in den Köpfen der Mehrheiten als Methode der Kriegsverhinderung, der Verhinderung des Machtmißbrauchs durch Kapitaleigner und Politiker verankert werden. Das Arbeitsplatzargument ist im Zusammenhang mit der Rüstung reine Demagogie, weil der Rationalisierungsgrad im Rüstungsbereich mit seinen uniformierten Massenprodukten besonders hoch ist, also gerade dort stark automatisiert wird. Dennoch bindet die Rüstungsindustrie viele hochqualifizierte und gutbezahlte Arbeitskräfte, die allerdings im friedlichen Sektor fehlen, weil der keine vergleichbaren Löhne zahlen kann.
5.
Wenn Krieg geführt wird, zumal siegreich, gibt es Kriegsgewinne. Wie aber lassen sich in Friedenszeiten durch Rüstungsgeschäfte Gewinne erzielen? Durch Rüstungswettlauf und ständige Innovationen. Vorzeitige Verschrottung alter oder angeblich veralteter Modelle und ihre Ersetzung durch Neue sichern die notwendigen Anschlußaufträge. Der Rüstungswettlauf zwischen der früheren UdSSR und dem Ostblock auf der einen und den USA und den NATO-Staaten auf der anderen Seite hat dem Westen tatsächlich (neben der Verarmung vieler Menschen auch in reichen Staaten) einige Vorteile gebracht, den Osten aber - wie den Süden - volkommen ruiniert. Warum? Weil der Westen mit seinem historischen Entwicklungsvorsprung unter Überproduktion (das heißt Absatzkrisen) und an Kapitalüberfluß (das heißt Mangel an profitablen Investitionsmöglichkeiten im zivilen Sektor) litt und noch immer leidet. Die Leiden konnten teilweise durch Rüstung und Kriege gemildert, ja in Vorteile für die Kapitalanleger verwandelt werden. Ländern aber, denen es an Kapital fehlte und fehlt, deren Produktionsniveau niedrig ist, deren Sozialordnung obendrein noch vom Willen beseelt oder der Notwendigkeit beherrscht ist, Arbeitsplätze, kostenlose medizinische Grundversorgung und jedem ein Dach über dem Kopf zu garantieren, müssen die Kosten für die Rüstung zu Lasten ihrer wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung aufbringen. Sie können slso durch einen gnadenlosen Rüstungswettlauf "totgerüstet" werden.
6.
Der medial herstellbare Irrglaube der Bevölkerungsmehrheit, Rüstung schaffe Sicherheit und die durch Rüstung geschaffenen Arbeitsplätze schafften Wohlstand, erschwert es, auf demokratischem Weg die Rüstungsrendite in eine Friedensrendite umzuwandeln, Schwerter zu Pflugscharen umzuschmieden. Wie das ermöglicht werden kann, bleibt eine Zukunftsfrage an die Demokratie.
Solange die zu erwartenden Gewinne aus der Rüstung sicher und zugleich überdurchschnittlich hoch sind, wird das nach Anlage suchende Geld in die Rüstungswirtschaft investiert. Selbst nach dem Zusammenbruch des Ostblockkommunismus, der bisher eine ideale Legitimationsbasis für Hochrüstungspolitik lieferte, ist es nahezu unmöglich, die Staatsausgaben für Rüstung einschneidend zu senken. Zwar werden Soldaten nach Hause geschickt, aber dies ist nur ein Ausdruck der allgemeinen Rationalisierung und Verschlankung, die nun auch im Maschinenpark der modernisierten Mordwaffen betrieben werden kann. Die weniger modernen Waffensysteme werden angelblich verschrottet. Aber erstens werden sie durch modernere ersetzt. Und zweitens wird ein Großteil illegal in Krisengebiete verkauft. Chancen auf tiefgreifende Veränderungen ergeben sich nur, wenn ein auf Frieden ausgerichtetes demokratisches Bewußtsein die Mächtigen im Staat und in den Chefetagen der Wirtschaft, insbesondere der Banken und der Rüstungswirtschaft, kontrolliert.
Parlamentarier durch die Bank Marionetten ?
Ein Konzept für eine gemeinsame Strategie
von Friedens-, Umwelt- und 'Dritte-Welt'-Bewegung
Die jüngsten inhaltlichen und thematischen Entwicklungen in den bisher weitgehend voneinander getrennt arbeitenden Initiativen der Friedens-, Umwelt- und Dritte-Welt-Bewegung legen die Notwendigkeit einer gemeinsamen Strategie nahe.
Der Kernpunkt der Gesamtstrategie muß sein die Kritische Auseinandersetzung mit der Wirtschaftsweise und die Initiierung und Ausarbeitung einer ökologisch-demokratischen Weiterentwicklung des Wirtschaftssystems.
Diese Kernaussage wird im Folgenden ausführlich dargelegt und begründet. Sie werden in diesem Text eine ganze Reihe altbekannter Tatsachen und Aussagen der sozialen Bewegungen hören. Aber Sie werden in neuem Zusammenhang genannt und zum Zweck einer Synthese der vielfältigen Engagements. Da konkrete Verbesserungen des Wirtschaftsmodells nicht nur denkbar sind, sondern bereits im kleineren Rahmen erfolgreich praktiziert wurden, hat diese Auseinandersetzung Sinn und Zielrichtung.
Nun aber Schluß mit den allgemeinen Erwägungen und hin zu den konkreten Entwicklungen:
In den großen Nicht-Regierungs-Organisationen findet sich während der letzten Jahre und insbesondere seit dem Zusammenbruch des Sozialistischen Systems eine klare Tendenz, sich mit Fragen des Wirtschaftens zu befassen. Offensichtlich ist nach dem Scheitern des Gegenmodells der Blick frei auf die Nachteile des eigenen Wirtschaftssystems. Dabei stellt sich heraus, daß das Wirtschaftssystem eine Schlüsselfrage darstellt sowohl für die Anliegen der Friedensbewegung als auch der Umweltbewegung und der Dritte-Welt-Bewegung.
Am Beispiel Greenpeace:
Greenpeace hat mit dem Protest gegen Atombombentests begonnen und sich den Schutz der Natur zum Ziel gesetzt. Im Jahr 1993 gab es ein Greenpeace-Sonderheft zum Thema Ökonomie. Es wird immer offensichtlicher, daß bei Aufrechterhaltung des wachstumsorientierten Weltwirtschaftssystems sich die Ziele von Greenpeace kaum werden erreichen lassen.
Am Beispiel BUND:
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hat in den letzten Jahren die Kritik am Wirtschaftswachstum zu einem zentralen Thema in der öffentlichen Auseinandersetzung gemacht. Der BUND hat zusammen mit der Ärzteinitiative IPPNW den Siemens-Boykott begonnen, mit dem Siemens zum Ausstieg aus der Atomindustrie gezwungen werden soll.
Am Beispiel IPPNW:
Dem Siemens-Boykott der Deutschen Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges und des BUND haben sich mittlerweile über 80 andere Initiativen angeschlossen.
Eine wesentliche Erkenntnis, die zum Siemens-Boykott führte: Wir müssen uns von der Illusion verabschieden, wir könnten durch Appelle an Politiker viel erreichen. Wir müssen mit Argumenten und Taten diejenigen demokratisch unter Druck setzen, die im Allgemeinen die Entscheidungen fällen. Die Präsenz dieses und anderer Wirtschaftsthemen innerhalb der IPPNW ist neu. Geblieben ist aber die Zielrichtung, Kriege durch vorbeugende Maßnahmen zu verhüten.
Am Beispiel der Dritte-Welt-Initiativen:
In diesem Themenfeld war der Zusammenhang mit den Fragen des Wirtschaftssystems schon immer offenkundig. Die Ungerechtigkeiten im Weltwirtschaftssystems fördern Armut, Hunger, Hungertod sowie Fluchtbewegungen und Kriege. Hier stand das Weltwirtschaftssystem und vor allem die Verschuldung seit vielen Jahren im Zentrum der Kritik. Ziel ist hier explizit ein gerechteres Wirtschaftssystem als Voraussetzung für die Entwicklungsfähigkeit des Südens. Besonders genannt werden sollen hier das Institut für Weltwirtschaft und Entwicklung WEED in Bonn und das Transnationale Institut TNI in Amsterdam.
Am Beispiel der Anti-AKW-Bewegung:
Die Anti-Atomkraft-Bewegung hat viele Projekte der zivilen Atomenergienutzung erfolgreich verzögert, aber kaum eines letztlich verhindert. Hier wird besonders deutlich, wie wenig sich mit noch so guter Aufklärungsarbeit gegen wirtschaftliche Interessen bewirken läßt.
Alles in Allem ist in ursprünglich ganz verschiedenen Projekten der Friedens-, Umwelt- und Dritte-Welt-Bewegung diese gemeinsame Tendenz zu den Fragen des Wirtschaftens erkennbar. Damit ist eine Voraussetzung gegeben zu einer schlagkräftigen Zusammenfassung dieser drei Säulen der sozialen Bewegungen. Dabei soll keinesfalls die Vielfalt der Themen verlorengehen. Wohl aber soll ein gemeinsames Thema aus den unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden.
Die IPPNW hat diese thematische Synthese zum Teil vorweggenommen, und zwar beim Weltkongreß der IPPNW 1991 in Stockholm. Dort wurde das sogenannte "IPPNW-Dreieck" kreiert:
Es handelt sich bei dieser graphischen Darstellung um ein gleichseitiges Dreieck, dessen Basisseite dem Thema Frieden/Krieg entspricht, während die beiden anderen Seiten Umwelt/Umweltzerstörung und Entwicklung/Armut sind.
Zwischen den drei Bereichen bestehen wechselseitige Beziehungen. Armut führt zu Krieg und Umweltzerstörung. Krieg führt zu Armut und Umweltzerstörung. Umweltzerstörung wird in Zukunft vermehrt zu Armut und Krieg führen. Je weiter die Zeit fortschreitet, desto verflochtener werden die Wechselbeziehungen innerhalb dieses Netzwerkes. Dieses Dreieck stellt die Beziehungen schon recht gut dar, es wird offensichtlich, daß die drei Themengebiete zusammengehören. Sehr unterschiedlichen Initiativen kann so bewußt werden, daß sie ein gemeinsames Anliegen verfolgen. Die IPPNW beschäftigt sich mittlerweile thematisch mit allen drei Seiten des Dreiecks, aber der Schwerpunkt innerhalb der IPPNW ist weiterhin die Basisseite Frieden/Krieg. Der Schwerpunkt der Arbeit von Greenpeace und BUND ist die Seite Umwelt/Umweltzerstörung. Die Arbeit der Dritte-Welt-Initiativen lokalisiert sich auf der Dreiecksseite Entwicklung/Armut. Jeder kann hier seinen Platz innerhalb des Ganzen zuordnen, und dennoch: Es fehlt etwas: Ins Zentrum des thematischen Netzwerkes, ins Zentrum des Dreiecks gehört das Thema Wirtschaftsweise. Weil es nämlich DAS verknüpfende Element innerhalb der vielschichtigen Wechselbeziehungen darstellt und für alle drei Themen gleichermaßen relevant ist.
Deutlich wird dies anhand einiger ausgewählter Fragen, die in den entsprechenden Organisationen bereits gestellt worden sind:
Fragen von Greenpeace:
Wie sollen wir erfolgreich sein im Kampf gegen Umweltzerstörung und Atomnergienutzung, solange sich mit Zerstörung weit mehr Geld verdienen läßt, als mit den meisten anderen Geschäften?
Fragen vom BUND:
Wie können wir Natur schützen, wenn sie von einer Wirtschaft, die unter Wachstumszwang steht, verbraucht werden muß?
Fragen der IPPNW:
Wie sollen wir Kriege verhüten, wenn mit Waffengeschäften nicht nur Macht, sondern auch noch sehr viel Geld gewonnen wird, und wenn Waffen in immer mehr Länder verkauft werden?
Fragen der Dritte-Welt-Initiativen:
Wie soll Hunger, Tod und Flucht vermieden werden, wenn die wirtschaftlichen Regeln für den Süden im Norden und für den Norden gemacht werden?
Der verbindende Strategie könnte sich also folgendermaßen entwickeln:
Jede(r) Einzelne, jede Initiative, jede Organisation stellt die Fragen ihres Arbeitsgebietes in den Mittelpunkt, die das Wirtschaftssystem betreffen.
Dann wird der weitere kreative Prozeß sehr viel mehr zutage fördern, als sich jetzt schon erahnen läßt. Aber es wird unter anderem zu folgenden gemeinsamen Grundaussagen von Friedensbewegung, Ökologiebewegung und Dritte-Welt-Bewegung kommen:
- Es gibt, was das Wirtschaftssystem betrifft, einen eklatanten Mangel an Demokratie. Innerhalb der jetzigen Strukturen des Wirtschaftsprozesses werden Entwicklungen vorangetrieben, die von den betroffenen Menschen NICHT beeinflußt werden können. Das gilt für die legalen und erst recht für die illegalen Abläufe im Weltwirtschaftssystem. Es gilt, demokratische Prinzipien und Kontrollen in den Wirtschaftsprozeß einzuführen.
- Als Konsens wird sich herausstellen, daß ein Großteil der zerstörerischen Wirkungen des Wirtschaftssystems im Wachstumszwang begründet liegt, und daß dieser zum erheblichen Teil auf das Zinsprinzip zurückzuführen ist. Der Wachstumszwang führt zu übermäßiger Verschuldung der privaten und öffentlichen Haushalte, und begünstigt Umweltzerstörung, Arbeitslosigkeit, Armut, Hungertod, Flucht und Krieg. Es gilt, weiterentwickelte Wirtschaftsmodelle auszuarbeiten und umzusetzen, die nicht unter Wachstumszwang stehen.
- Konsens wird auch sein, daß sich ohne demokratische Weiterentwicklung der Wirtschaftsweise kaum eines der Ziele der drei Säulen der sozialen Bewegungen wird effektiv umsetzen lassen.
- Die Bewegungen werden, jede auf ihre Weise, Möglichkeiten finden, die erarbeiteten Prinzipien für ein anderes Wirtschaften und einen anderen Umgang mit Geld für das persönliche Leben umzusetzen. Als Beispiel sei hier nur genannt die Ökologisch-Ethische Geldanlage als Möglichkeit eines selbstbestimmten, demokratischen Umgangs mit Geld. Eine IPPNW-Regionalgruppe hat sich in einer gemeinsamen Erklärung per Unterschrift selbst dazu verpflichtet, ab sofort auf eine andere Art mit Geld umzugehen, auch wenn das ein gewisses Maß an Zinsverzicht bedeutet. Sie können sich auch den Kritischen Aktionären anschließen und durch Ihr Stimmrecht bei Aktionärsversammlungen für Unruhe in Großkonzernen sorgen. Lassen Sie uns weitere Boykottmaßnahmen gegen Multis durchführen. Lassen Sie vor allem nicht zu, daß mit Ihrem eigenen Geld Dinge getan werden, die Sie nicht wollen. Das alles ist erst ein Anfang, aber ein notwendiger. Wer soll die Ideen liefern zur Weiterentwicklung des Wirtschaftssystems und der Demokratie, wenn nicht wir?! Der kreativen Phantasie für Globale, lokale und persönliche Aktionen sind kaum Grenzen gesetzt. Wenn wir uns NICHT an diese schwierige, aber gemeinsame Aufgabe heranwagen, müssen wir uns den Vorwurf gefallen lassen, uns doch nur zur Beruhigung des eigenen Gewissens zu engagieren. Gebraucht wird demokratischer STREIT. Wer ist denn heute NICHT für den Erhalt der Umwelt? Wer ist denn NICHT gegen KRIEG? Wer ist denn NICHT gegen die Verarmung des Südens? Ins Zentrum des Streites muß das Wirtschaftssystem: für die Umwelt, für den Frieden und für die Entwicklung des Südens. Nur wo wir auf Widerstand treffen, ist Veränderung und Weiterentwicklung möglich.
Resolution
für die IPPNW-Mitgliederversammlung 1995
Die IPPNW hat in den letzten Jahren begonnnen, sich mit der friedenspolitischen Bedeutung des Wirtschaftssystems und der Geldwirtschaft auseinanderzusetzen. Zentrales Beispiel dafür ist die "Siemens-Ausstiegshilfe", wobei durch einen Verbraucherboykott der Konzern zum Ausstieg aus dem Atomgeschäft motiviert werden soll.
In dieser neuen Art von Aktivität drückt sich eine wichtige Erkenntnis aus: Es reicht nicht mehr, sich allein mit Appellen an Politiker zu wenden. Es ist notwendig, Druck auf die Entscheidungsträger in der Wirtschaft auszuüben. Denn im Vergleich zum Politischen Bereich besteht im Bereich der internationalen Wirtschaft und Geldwirtschaft ein ausgeprägter Mangel an demokratischen Kontrollmöglichkeiten.
Die weltweiten sozialen Bewegungen lassen sich in 3 große Bereiche einteilen, die auch im "IPPNW-Dreieck" dargestellt sind:
Krieg/ Rüstung - Frieden,
Armut/ Nord-Süd-Gegensatz - Entwicklung,
Umweltzerstörung - Umweltschutz.
Alle 3 Bereiche haben für sich genommen und erst recht in ihrer Wechselwirkung wesentliche Bedeutung für die Verhütung von bewaffneten Konflikten.
Im Themenfeld 'Armut/ Nord-Süd-Gegensatz' wird die Bedeutung der Wirtschaftsweise besonders deutlich: Ohne gerechtere Strukturen und mehr demokratische Mitbestimmung der Betroffenen kann der gefährliche Gegensatz nicht abgebaut werden. Aber auch für die beiden anderen Felder sind Einflüsse und immanente Prozesse der Wirtschaftsweise von ausschlaggebender Bedeutung: Solange Rüstungsproduktion für das Wirtschaften sinnvoll ist und damit besonders viel Geld verdient werden kann, und das nahezu ohne demokratische Kontrollmöglichkeiten, wird effektives Einwirken kaum möglich sein. Auch im Bereich der Umweltzerstörung sind die Möglichkeiten zu positiven Änderungen begrenzt, solange der Zwang zum Wachstum immer schnellere Produktion erfordert.
Für eine Weiterentwicklung des Wirtschaftssystems im Sinne einer Minderung von "bedrohlichen Nebenwirkungen" gibt es keine fertigen Lösungen, zumindest aber einige Ansätze, die es in die friedenspolitischen Diskussion einzubringen gilt.
Vor allem aber ist es wichtig, Ideen und Aktionen zu unterstützen, die auf einen vermehrten demokratischen Einfluß auf Prozesse des Wirtschaftssystems und der Geldwirtschaft abzielen.
Die IPPNW setzt sich daher für Förderung und Durchführung von Massnahmen ein, die eine vermehrte Demokratische Einflußnahme auf die Wirtschaftsweise bedeuten.
Dazu gehören beispielsweise:
- Förderung und Durchführung von Verbraucherboykottmaßnahmen (Beispiel: Siemens-Ausstiegshilfe)
- Unterstützung von Projekten, die mehr Demokratie und Transparenz in die Geldwirtschaft einführen (Beispiele: Ökobank, GLS-Bank, EDCS-Bank )
- Unterstützung von Konzepten, die die Geschäftspolitik von Konzernen intern beeinflussen können (Beispiel: Kritische Aktionäre)
- Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die begonnen haben, sich mit der Wirtschaftsweise zu befassen oder bereits länger befassen (Beispiele: BUND, Greenpeace, WEED, TNI, Germanwatch )
Ärztinnen und Ärzte der IPPNW sind der Auffassung, daß die Auseinandersetzung mit der Wirtschaftsweise von zukunftsweisender Bedeutung ist, was die Verhütung von Konflikten anbelangt. Wer sich effektiv für den Abbau des Süd-Nord-Gegensatzes, für die Eindämmung der Umweltzerstörung und für die Verhütung von Kriegen einsetzen will, muß sich den Themen Weltwirtschaft und Geldwirtschaft stellen. IPPNW-ÄrztInnen wollen wissen, was mit Geld gemacht wird !!
Diese Resolution wurde am 29.4.1995 mit großer Mehrheit angenommen.
Ab sofort, zum Beispiel von IPPNW, BUND und Greenpeace:
Der neue Nobelpreis für Frieden und soziale Verantwortung:
100.000
Deutsche Mark
für
WOW
Die Deutsche Sektion der Internationalen Ärzteinitiative IPPNW, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Greenpeace Deutschland rufen kritische Wirtschaftswissenschaftler und andere helle Köpfe auf.........
Zum Internationalen Ideenwettbewerb
WIRTSCHAFT OHNE WACHSTUMSZWANG
Es bestehen enge Beziehungen zwischen globalen Problemen unserer Zeit und dem unserem Wirtschaftssystem immanenten Zwang zum Wachstum. Der Alternative Nobelpreisträger Prof. Hans-Peter Dürr hat das Weltwirtschaftssystem als "die wirksamste Massenvernichtungswaffe" bezeichnet. Der Wachstumszwang hat erheblichen Anteil an
* Umweltzerstörung
* wachsender Kluft zwischen Arm und Reich
* Rüstungsproduktion und Krieg
* Arbeitslosigkeit
Wir fragen:
Wie kann unsere Wirtschaftsweise auf demokratischem Wege umwelt- und sozialverträglich weiterentwickelt werden?
Wie muß die Wirtschaftsweise modifiziert werden, damit der zerstörerische Zwang zum Wachstum entfällt?
Arbeiten zu diesem Thema können bis zum ............ eingereicht werden. Unter den stichhaltigen Konzepten wird das Beste mit 100.000 DM prämiert.
Vorschlag für eine Internationale Ideensammlung:
(z.B. unter dem Dach der Internationalen Ärzteinitiative IPPNW)
oder auch:
AGORA NOVA
Ideenpool für Geld und Demokratie
Grundmotivation: Wissen wollen, was mit dem eigenen Geld gemacht wird.
Ziele:
Das Projekt IGF initiiert und/oder fördert Projekte, die zu einer vermehrten demokratischen Einflussnahme auf Wirtschaftsweise und Geldwirtschaft führen.
Das Projekt IGF vermittelt und koordiniert Informationen zwischen solchen Projekten und Interessierten.
Das Projekt IGF informiert in allgemeinverständlicher Form über Auswirkung und Bedeutung von Wirtschaftsweise und Geldwirtschaft für Frieden und Ökologie.
Das Projekt IGF entwickelt und fördert Konzepte, die zu einer demokratischen Weiterentwicklung des Marktwirtschaftlichen Systems führen können bei gleichzeitiger besserer Vereinbarkeit mit Frieden und Ökologie.
Das Projekt IGF geht davon aus, daß Konflikt- und Kriegsverhütung in Zukunft nur möglich sein wird, wenn das Geld- und Wirtschaftssystem demokratisch weiterentwickelt wird.
Aktuelle Arbeitsbereiche des Projektes:
Bereich 1:
Demokratische Einflussnahme auf Banken und Geldwirtschaft
- Stichworte: Ökologisch-ethische Geldanlage, Ökobank, GLS-Bank, EDCS-Bank, Transparenz in der Geldwirtschaft.....
- Utopie: Mitbestimmung über die Verwendung des persönlich erarbeiteten Geldes als Selbstverständlichkeit in allen Bereichen der Geldwirtschaft.
Bereich 2:
Demokratische Einflussnahme auf Konzerne
- Stichworte: Kritische Aktionäre, Verbraucherboykotts, mehr Produkt-Transparenz, Deklarierungspflicht, bewußtere Kaufentscheidungen...
- Utopie: keine Großprojekte gegen den Willen der Bevölkerungsmehrheit.
Bereich 3:
Demokratische Einflussnahme auf die Verwendung von Steuergeldern
- Stichworte: Mitbestimmung bei der Verwendung zumindest eines Teils der Steuergelder.....
- Utopie: Steuerabgabe als zusätzliche Stimmabgabe der WählerInnen.
Bereich 4:
Notwendigkeit der Weiterentwicklung des marktwirtschaftlichen Systems
- Stichworte: Ursachen des Wachstumszwangs, Bedeutung für Arbeitsplätze, Umweltzerstörung, Rüstungsproduktion; Bedeutung des Zinses für Umverteilung und Zwang zum Wachstum.
- Utopie: Menschen regieren Geld, nicht umgekehrt.
Wilfried Deiß, August 1996
Wie ist der aktuelle Stand?
Eine Stichwortsammlung zum Eindenken in ein neues Thema:
In den letzten Monaten sind unzählige Veröffentlichungen und Statements zum Thema Zukunft der Wirtschaft erschienen. Heute nehme ich das aktuelle "Publik-Forum Manifest: Das Neue Modell Deutschland - Wirtschaften für das Leben” und die darauffolgende Diskussion zum Anlass, die vorliegenden Vorschläge zu sammeln und zu sortieren. Dabei fasse ich die Vorschläge zunächst in Schlagworten zusammen, die eine Übersicht liefern sollen, allerdings keine Erklärungen bieten.
Vorschläge im "Manifest: Das Neue Modell Deutschland - Wirtschaften für das Leben” der Zeitschrift Publik-Forum:
· Arbeitszeit verkürzen
· Lohnkostenzuschüsse für Arbeitgeber, die Arbeitslose einstellen
· Soziale Grundsicherung einführen, welche die Arbeitslosen- und Rentenversicherung ergänzt. Finanzierung über eine Mehrwertsteuer auf Luxusgüter
· Umsteuern mit Energiesteuer, langsame Einführung mit jährlicher Steigerung
· Energieeinsparung belohnen durch Energiesteuer
· Energiesteuer schafft Arbeitsplätze durch Entwicklung von Öko-Technologien
· Einnahmen durch Energiesteuer zur Verbilligung der Lohnnebenkosten nutzen
· Arbeitsintensive Betriebe entlasten, Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung soll sich an der Wertschöpfung der Betriebe anstatt an den Löhnen orientieren
· Investitionen in die Zukunft, vor allem in erneuerbare Energiequellen, Einleitung der Wende vom quantitativen zum qualitativen Wachstum
· Sozialer und Ökologischer Welthandel, Rahmenbedingungen dafür schaffen, soziale und ökologische Mindestauflagen
· Steuer von 0,05% auf die Umsätze der Börsen dieser Welt einführen, das bringt jährlich 30Milliarden Dollar in die Kassen der UN
In der Diskussion dazu haben sich verschiedene Personen zu Wort gemeldet. Auch dazu die verwendeten Schlagworte:
Maria Jepsen, Bischöfin:
- den Begriff der sozialen Gerechtigkeit kontinuierlich neu definieren
Oskar Lafontaine, SPD-Vorsitzender:
- Politischen Ordnungsrahmen für die Weltwirtschaft entwickeln, der sich an den Grundsätzen der sozialen und Ökologischen Marktwirtschaft orientiert
- internationale Vereinbarungen über soziale und ökologische Mindeststandards, Mindeststeuersätze
Carlhans Damm, Vorstandsvorsitzender AEG:
-”Made in Germany” sollte ein Symbol für Nachhaltigkeit im ökologischen, sozialen und kulturellen Sinne sein
- Partizipation der Mitarbeiter über alle Ebenen hinweg, "Empowerment”
Klaus Zwickel, IG Metall Vorsitzender:
- Wettbewerbsfähigkeit durch Innovationskonkurrenz
- Wirtschaft muss den Menschen dienen, nicht umgekehrt
- Verkürzung der Arbeitszeit
- Soziale Grundsicherung
- Ökologisches Steuersystem
- Neuregelung der Finanzierung der sozialen Sicherung
- Neuorientierung der Investitionen
- weltweite Regulierung von Handel und Finanzen
Hubert Weinzierl, Vorsitzender des BUND:
- Einführung einer Energiesteuer
- Innovationsschub für Technik und Wirtschaft in Richtung auf höhere Effizienz.
Gottfried Härle, Mitinhaber Brauerei Härle:
- Ökologische Steuern
- Drastische Vereinfachung und Senkung der Einkommensteuer
- Finanzierung der Sozialversicherungssysteme über eine Wertschöpfungsabgabe
Jürgen Trittin, Vorstandssprecher Bündnis 90/Grüne:
- Radikale Umverteilung der Arbeit
- Lohnkostenzuschüsse für Unternehmer als Anreiz zur Arbeitszeitverkürzung
- zulässige Wochenarbeitszeit herabsetzen
- Zahl zulässiger Überstunden begrenzen
- Maximal 1100 Stunden im Jahr arbeiten
- Bonus-Malus-System: Arbeitsplätze mit geringer Stundenzahl fördern
- Einführung einer Ökosteuer
- Rückverteilung des Vermögens
- Steuerfinanzierte bedarfsorientierte Grundsicherung einführen
- Sozialversicherungsbeiträge an die Wertschöpfung koppeln
- Ausweitung der Sozialversicherungspflicht auf Beamte, Freiberufler und Anhebung der Beitragsobergrenze
Franz Alt, Publizist:
Strategien für Millionen neuer Arbeitsplätze:
- Durchschnittliche Jahresarbeitszeit von 1650 auf 1500 h begrenzen
- Überstunden halbieren
- Teilzeitarbeit
- Alle Zehn Jahre Sabbatjahr
- Solare Energiewende
- Ökologische Verkehrswende
- Ökologische Steuerreform
- Wärmeschutzverordnung für alle Gebäude
Rainer Eppelmann, CDA-Vorsitzender:
- Arbeitszeitverkürzung
- Ausbau der sozialversicherten Teilzeitarbeit
- Förderung der sozialen Dienste
- Erschliessung des privaten Haushaltes als vollwertigen Arbeitsplatz
- Umbau des Steuerrechts
- Umbau der Vermögensverteilung
- Steuerprivilegien radikal beseitigen
- Senkung der Einkommensteuer
- Negativsteuermodell bei den Finanzämtern: unterhalb des Existenzminimums Zuschuss, oberhalb davon Steuer zahlen
Ursula Engelen-Kefer, stellv. Vorsitzende des DGB:
- Arbeitszeit verkürzen
- Soziale Grundsicherung
- Umsteuern mit Energiesteuer
- Arbeitsintensive Betriebe entlasten
- Investitionen in die Zukunft
- Sozialer Welthandel
- Spekulationssteuer
Friedhelm Hengsbach, Sozialethiker und Jesuit:
- gerechtere Vermögensverteilung
- ökologischer Umbau der Weltwirtschaft
- Leistungsgerecht besteuern
- der Staat muss mehr Aufgaben bewältigen als bisher
- Subventionen und Privilegien abbauen
- sogenannte Leistungsträger stärker besteuern
- ausgewogenere Einkommensverteilung
- Arbeitszeitverkürzung
- ungerechte Arbeitsverteilung zwischen Männern und Frauen auflösen
- Arbeit stressfreier machen
- Zeitsouveränität und Gütersouveränität für die Beschäftigten
- Sozialversicherungbeiträge nicht mehr ausschliesslich über Lohnbeiträge finanzieren, stattdessen auch Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen heranziehen
- Arbeitnehmer am künftigen Produktivvermögen der Wirtschaft direkt beteiligen
- Rahmenbedingungen für den Markt so anlegen, dass von vornherein eine gerechtere Einkommensverteilung resultiert
- Geldpolitik einer verstärkten öffentlichen Diskussion unterziehen
- das Thema Geldordnung darf nicht mehr tabu sein
- Lebensqualität mit umwelt- und sozialverträglichen Produkten verbessern
- Soziale und ökologische Kosten der Unternehmertätigkeit dürfen nicht der Allgemeinheit aufgebürdet werden
- Ziel wäre eine ökologische Kreislaufwirtschaft, die Lebensqualität für alle erhöht und dennoch Gewinne bringt
- der Kapitalismus ist tendenziell demokratiefeindlich, daher muss er sozial und ökologisch gezähmt werden
- das Marktgeschehen der Demokratie als Lebensstil unterordnen, demokratiefähige Marktwirtschaft anstatt kapitalistische Marktwirtschaft
Weitere Beiträge zum Thema:
Gottfried Erb, Professor für Politikwissenschaft Uni Giessen:
- Steuern müssen gravierender die Reichen treffen
- Lohnzusatzkosten schrittweise durch Abgaben auf den Wertzuwachs der Wirtschaft ersetzen
- Öko-Steuern
- Abgabe auf Börsen-Transaktionen
- Geringe Einkommen beträchtlich steigern
- Arbeitszeitverkürzungen
- internationale Kooperation der Gewerkschaften fördern
Vorschlag zur Verwendung dieser Stichwortsammlung:
Zuerst: Sich selbst die Frage stellen, ob alle Vorschläge und Ideen vom Grundprinzip her VERSTANDEN worden sind.
Dann: Die Beiträge nach verschiedenen Fragestellungen ordnen:
1. Welche Beiträge bezeichnen im Wesentlichen dieselbe Idee?
2. Welche Beiträge entsprechen dem Stand der bisherigen Sozialen Marktwirtschaft der Bundesrepublik Deutschland?
3. Welche Vorschläge gehen über die bekannten Anforderungen an eine Soziale Marktwirtschaft hinaus?
4. Welche Vorschläge sind national umzusetzen?
5. Welche Vorschläge sind international umzusetzen?
6. Welche Vorschläge sind Massnahmen VON OBEN?
7. Welche Vorschläge sind Massnahmen VON UNTEN?
und
8. Welche Ideen haben WIR, die über die benannten Vorschläge hinausgehen?
Al Gore:
"Wege zum Gleichgewicht - Ein Marshallplan für die Erde"
S.Fischer 1992
Stephan Schmidheiny:
"Kurswechsel - Globale unternehmerische Perspektiven für Entwicklung und Umwelt"
Artemis u. Winkler 1992
Brown/ Flavin/ Postel:
"Zur Rettung des Planeten Erde - Strategien für eine ökologisch nachhaltige Weltwirtschaft"
S.Fischer 1991
Hans Immler:
"Welche Wirtschaft braucht die Natur? - Mit der Ökonomie die Ökokrise lösen"
S.Fischer 1993
Till Bastian:
"Das Prinzip Schrumpfung - 'Zivilisierung' der Ökonomie - Wie die Massenvernichtungswaffe Weltwirtschaft abgerüstet werden kann"
(1994), Institut Umwelt-Kultur-Frieden,
Reuteweg 3, 88316 Isny/Allgäu
Susan George:
"Der Schuldenbumerang - Wie die Schulden der Dritten Welt uns alle bedrohen"
rororo aktuell 1993
Dieter Suhr:
"Befreiung der Marktwirtschaft vom Kapitalismus - Monetäre Studien zur sozialen, ökonomischen und ökologischen Vernunft"
Basis Verlag 1986
Hans See:
"Kapitalverbrechen - Die Verwirtschaftung der Moral"
Fischer TB 1992
Bert Rürup:
"Fischer Wirtschafts-Lexikon"
Fischer TB 1993
Hans Peter Dürr:
"Wachstumsorientierte Wirtschaft - Die wirksamste Massenvernichtungswaffe"
in: Ärzte gegen Atomkrieg Heft 37/ April 92
Bernard Lown:
"Ärzte und die Neue Weltordnung"
in: Ärzte gegen Atomkrieg Heft 37/April 92
Y. Otani:
"Ausweg - Ursprung und Lösung des Geldproblems"
Dirk Kühne:
"Neue Volkswirtschaftslehre - Einführung in ein Neues Geld- und Bodenrecht"
Arrow-Verlag Hamburg
"Was mache ich nur mit meinem Geld - Alternativen im Umgang mit Geld als Beitrag zu weltwirtschaftlicher Gerechtigkeit"
Institut für Ökonomie und Ökumene Südwind,
Lindenstr. 58-60, 5200 Siegburg
Helmut Creutz:
"Das GeldSyndrom"
Wirtschaftsverlag Langen Müller/Herbig 1993
Eckehart Spoo (Hg.)
"Gegen die soziale Lüge - Armut und Verelendung im reichen Deutschland"
See/Schenk (Hg.)
"Wirtschaftsverbrechen - der innere Feind der freien Marktwirtschaft"
Kiepenheuer und Witsch 1992
Frederic Vester
"Neuland des Denkens"
dtv 1984
Douglas R. Hofstadter
"Gödel, Escher, Bach", Klett-Cotta 1985
Paul Watzlawick
"Die erfundene Wirklichkeit", Serie Piper 1984
Wolfgang Kessler (Hrsg.)
"Alternative im Kapitalismus oder Alternative zum Kapitalismus"
"Geld, Zins und Gewissen - Neue Formen im Umgang mit Geld"
Materialmappen der Zeitschrift PUBLIK-FORUM 1991 und 1993
Niklas Luhmann
"Die Wirtschaft der Gesellschaft"
Suhrkamp 1988
Dr. Theo Sommer (Hrsg.)
"Zeit der Ökonomen - Eine kritische Bilanz volkswirtschaftlichen Denkens"
Sonderheft der Wochenzeitung DIE ZEIT 1993
Dr. Till Bastian
"Abschied vom Untergang - Essay über die Idiotie des Wachstums und die Rückkehr zum menschlichen Maß" Publik-Forum-Buch 1996
Friedrich Feldmann
"Arbeit schaffen - Umwelt retten - Visionen einer menschlichen Marktwirtschaft ohne Wachstum"
Publik-Forum-Buch 1995
Wolfgang Kessler
"Wirtschaften im dritten Jahrtausend - Leitfaden für ein zukunftsfähiges Deutschland"
Publik-Forum-Buch 1996
Praxisorientierte Kurzinformation
DEMOKRATISCHER UMGANG MIT GELD
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Ökobank
Bornheimer Landstr. 22
60316 Frankfurt
Tel. 069 920044-0
Prinzip: Kein Geld in Rüstung und Atomenergie! Günstige Kredite an sinnvolle Projekte! Die Ökobank ist aus der Linksalternativen Bewegung entstanden und orientiert sich an den Kriterien Frieden, Abrüstung, weltweite Gerechtigkeit, Umweltschutz. Vom Angebot her ist die Ökobank eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt und Freiburg(bisher). Im Vergleich zu anderen Banken gibt es im "Normalbereich" nur geringfügig weniger Zinsen, trotzdem geht kein Geld in Rüstung und Atomenergie. Im "Förderbereich" sind die Zinsen bewußt deutlich geringer, damit die Ökobank günstige Kredite an sinnvolle Projekte vergeben kann. Durch Erwerb von Sparbriefen können Sie als AnlegerIn Ihr Geld bestimmten Projekten zuweisen. Wenn Sie Genossenschaftsmitglied werden, können Sie bei der Bankpolitik mitbestimmen.
Wie machen? Wenn Sie nicht gerade in Frankfurt oder Freiburg wohnen, ist Folgendes praktisch: Behalten Sie Ihr Girokonto am Ort. Richten Sie Ihr Sparkonto bei der Ökobank ein. Die Ökobank schickt Ihnen jeweils die Kontoauszüge für das Sparkonto. Vom Sparkonto aus können Sie Geld den anderen Anlageformen wie beispielsweise den Projekt-Sparbriefen zuleiten.
Sie können bei der Ökobank natürlich auch einen Kredit aufnehmen, zum Beispiel für Hauskauf oder Hausbau. Besonders günstige Kredite bekommen Sie, wenn Sie Ihr Haus nach ökologischen/ energiesparenden Kriterien bauen oder umbauen.
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GLS-Bank
Oskar-Hofmann-Str. 25
44789 Bochum
Tel. 0234 37653
Prinzip: Nicht der Profit, sondern die Verwirklichung insbesondere sozialer Projekte steht im Mittelpunkt der Banktätigkeit. Die GLS -Bank (Geben-Leihen-Schenken) war die erste Alternativbank in der Bundesrepublik und hat einen anthroposophischen Hintergrund. Projekte: Biohöfe, Alternative Energien, Schulen.... Die Anleger verzichten in gewissem Maße oder ganz auf Zinseinnahmen, damit die Bank den Projekten günstige Kredite geben kann. Die Zinsen für vergebene Kredite richten sich nach der Bedürftigkeit des Kreditnehmers und nach der sozialen Dringlichkeit des Projektes. Andere Bankfunktionen wie Zahlungs- oder Schalterverkehr gibt es bei der GLS-Bank nicht.
Wie machen? Fordern Sie Infos an. Angeboten werden verschiedene Anlagemöglichkeiten: Sparbuch, Sparbrief, Ratensparen, Festgeld, Windkraftfonds, Enwicklungshilfefonds... Sie können auch Genossenschaftsmitglied werden mit entsprechenden Mitbestimmungsmöglichkeiten.
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EDCS-Bank
Förderkreis Ökumenische Entwicklungsgenossenschaft
Auf der Brück 48
41645 Gummersbach
Tel. 02261 72586
Prinzip: EDCS verfolgt das Ziel, zu mehr wirtschaftlicher und sozialer Gerechtigkeit beizutragen. Vergabe von günstigen Krediten an Gruppen von Menschen in armen Gebieten der Welt, die sonst auf dem freien Kapitalmarkt keine Chance hätten. EDCS-Kredite sind günstiger als ortsübliche. Die Geldanleger verzichten auf Zins, erhalten eine bescheidene Dividende. Die Geldanleger können konkret beobachten, was mit ihrem Geld geschieht, denn sie werden regelmäßig über die Projekte informiert. Gefördert werden derzeit über 150 Projekte in über 70 Ländern.
Wie machen? Werden Sie Mitglied im Förderkreis, dann können Sie EDCS-Anteile (zu je etwa 500.-DM) kaufen.
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EthIK
Ethisches Investment Köln
Seyengasse 2
50678 Köln
Tel. 0221 325272
Prinzip: Sie stellen Ihr Geld diesem Investmentfonds (Gemeinschaftsdepot) zur Verfügung. Von dem Geld der AnlegerInnen kauft das Team von EthIK Aktien und andere Kapitalanlagen bei Unternehmen ein, die sich mit Abfallvermeidung, Recycling oder der Entwicklung sanfter Technologien befassen und faire Handelsbeziehungen mit Entwicklungsländern unterhalten. Vom Gewinn der Kapitalanlagen profitieren Sie, je nach Geschäftsverlauf in unterschiedlicher Höhe. Beim Aktiengeschäft sind auch Verluste möglich, sicherheitshalber wird daher der größte Teil des Geldes festverzinslich angelegt. Alle Kapitalanlagen sind nach ökologisch-ethischen Kriterien ausgewählt, die bei EthIK streng definiert sind, um Mißbräuche weitestmöglich auszuschließen. Die AnlegerInnen werden regelmäßig über Fondsentwicklung und Anlagekriterien informiert und in die Entscheidungen mit einbezogen.
Wie machen? Forden Sie bei EthIK die Formulare "Gesellschaftsvertrag und Aufnahmegesuch" an. Wenn Sie diese unterschrieben zurücksenden und Ihre Einlage (mindestens 5.000.-DM) überweisen, erhalten Sie eine Aufnahmebestätigung, vierteljährlich ein Rundschreiben und werden über alles Weitere informiert.
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!!! Eine Glaubwürdige Ökologische und Sozialverträgliche Geldpolitik ist mit dauerhaft hohen Zinsen nicht möglich!!!
Wer Geld in Umlauf bringt, spart oder anlegt, und demokratisch dafür Sorge trägt, daß mit diesem Geld NICHT Umwelt zerstört oder Rüstung produziert
oder Armut gefördert wird, wird mit Frieden und Zukunft nicht unter 2 Jahren belohnt.
Die Auseinandersetzung mit den
BEDROHLICHEN NEBENWIRKUNGEN DES WIRTSCHAFTSSYSTEMS
wird das friedenspolitische Thema der Zukunft werden.
"Ich sehe voraus, daß sich unsere moderne westeuropäische Entwicklung einem vergleichbaren Konflikt nähert” (Anm.: gemeint ist nichts Geringeres als der Galilei-Konflikt) "Das politische System unseres Landes beruht auf Annahmen, die mit der Lebenswirklichkeit nicht länger vereinbar sind; auf der Annahme nämlich, daß ein stetes exponentielles Wachstum der materiell verfügbaren Ressourcen, des materiellen Bruttosozialproduktes, dauerhaft möglich ist. Sämtliche seiner wesentlichen Grundlagen, Strukturen, Verhaltensweisen und Erwartungen sind durch diese Annahme inhaltlich geprägt. Sein Geldsystem und die Marktwerte der Güter und Dienstleistungen beruhen auf ihr. Es sieht seine Legitimation durch die Zustimmung seiner Bürger zur demokratischen Ordnung und zum Parteienstaat nur unter der Bedingung eines stetigen und angemessenen Wirtschaftswachstums gesichert. Stetiges und exponentielles Wirtschaftswachstum und Machterhaltung im bestehenden politischen System bedingen einander .... Wer die Möglichkeit dauerhaften exponentiellen Wachstums leugnet, gefährdet deshalb das gegenwärtig reale demokratische Herrschaftssystem ebenso wie die Beweise Galileis das damalige Herrschaftssystem der Kirche gefährdeten.”
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c/o Ärzteinitiative IPPNW Siegen, Wilfried Deiß, Kampenstr. 36, 57072 Siegen, Fon u. Fax 0271 42147 e-mail: IPPNW Siegen, Wilfried Deiss